Grosser Wartungsstopp in Lissabon

Schon vor unserer Abfahrt in Holland war offensichtlich, dass der Motor in tiefen Drehzahlbereichen vermehrt ‘wackelte’. Die Stahl-Gummi-Lager, auf denen die Maschine steht, gingen ihrem Ende zu. Damals in Holland wollten wir endlich losfahren, und weil der Mechaniker kurzfristig keine Zeit hatte, haben wir den Austausch dieser Vibrationsabsorber eben aufgeschoben.

In den letzten Wochen wurden die Bewegungen des Motors stärker, und so rutschte der Austausch der Absorber auf der ToDo Liste stetig weiter nach oben. Unsere Schiffs-Pendenzenliste ist auch sonst länger geworden: Wo können wir unsere Gasflasche für den Herd auffüllen? Wie lösen wir das Problem mit dem Grossegel, welches wegen der Segellatten beim Ein- und Ausrollen zunehmend Probleme bereitet? Wo bekommen wir ein spezielles Ersatzteil für unsere Elektro-Winsch? Und vieles mehr…

Durch Herumfragen und mit etwas Glück sind wir an Carlos geraten. Carlos ist ein hiesiger Segler im Pensionsalter. Er weiss, welche Firma vor Ort welches Problem qualifiziert und bezahlbar lösen kann, und nimmt einem gegen ein kleines Entgelt gewisse Botengänge ab, für welche man selbst locker einen halben oder gar einen ganzen Tag bräuchte, im Speziellen wenn man kein Auto zur Verfügung hat.

Weshalb braucht es hier so lange, um ein vermeintlich kleines Thema zu lösen, wie zum Beispiel das Auffüllen einer Gasflasche? Während es ins Holland oder England an jedem Hafen einen “Chandler” (ein Laden für Marine-Ausrüstung) als ersten Anlaufpunkt gibt, so sind hier solche Läden rar. Hinzu kommt, dass man eine mitgebrachte Gasflasche in vielen Ländern aus rechtlichen Gründen sowieso nicht auffüllen lassen.

Kein Problem für Carlos: nach einer Stunde ist die neu befüllte Gasflasche da. Am selben Nachmittag kommt ein Mechaniker die Vibrationsabsorber anschauen. Am nächsten Tag fährt mich Carlos über 30km zu einem Segelmacher. Nun bestehen erst mal wertvolle Kontakte, welche wir sonst nicht gefunden hätten. Besten Dank, lieber Carlos!

Das Gasflaschen-Thema ist nun ja schon gelöst. Wenden wir uns also dem Segel zu. Die Segelmacherei kann man von aussen nicht als solche erkennen. Die Szene könnte als Filmkulisse dienen. Es gibt kein Firmenschild, lediglich ein rotes Garagentor. Man muss eben wissen, dass dahinter der Segelmacher schneidert und näht. Hinter dem Tor erkennt man keine Garage, weil der Raum dermassen zugebaut und zugestellt ist. Es bleibt lediglich ein schmaler dunkler Gang. Vor dem Ende des Gangs findet sich ein verglastes Kabäuschen. Als einzige Lichtquelle dient ein Computerbildschirm. Dann plötzlich steht man in einer geräumigen Segelmacherei, gut beleuchtet und etwa 25 Meter lang, hier so breit wie zwei Doppelgaragen, mit braunem Holzboden, der Raum zwei Stockwerke hoch. Es scheint, als würde es viel Arbeit geben. Seit mehr als 50 Jahren befindet sich die Firma im Familienbesitz. Vor 40 Jahren stand sie einige Jahre leer, weil der Vater in einer französischen Werft den fünffachen Lohn bekam. Heute sind hier zwei Brüder am Werk, und sie scheinen ihren Job zu verstehen.

Nach einem Austausch über unsere geplante Segelroute und der Begutachtung unseres Segels empfehlen Joao und Antonio, komplett auf störungsanfällige Segellatten zu verzichten. Stattdessen würden sie dem Tuch einen neuen, sogenannt negativen Schnitt zu verpassen.

Grob gesehen ist ein Grosssegel ein dreieckiges Tuch. Das Achterliek (die hintere Kante) ist tatsächlich oben häufig ‘ausgerundet’ geschnitten, um die Segelfläche zu vergrössern. Damit dieser ausstehende Segellappen nicht einfach schlaff herunterhängt, finden in vier eingenähten Lattentaschen dünne Segellatten platz. Nun soll also dieser ausstehende Segellappen (und noch etwas mehr) weggeschnitten werden, was diesen durchaus gängigen negativen Schnitt ergibt. Dies würde uns einerseits etwa einen Quadratmeter an Segelfläche kosten, was wohl 1-
2% Segelleistung entspricht. Andererseits wäre der jedoch der herunterhängende Lappen weg, welcher störende Luftverwirbelungen erzeugt. Wir folgen der Empfehlung und entscheiden uns also für den neuen Schnitt. Die Arbeit wird innert wenigen Tagen ausgeführt, und das Resultat sieht optisch ganz ansprechend aus.

Somit wären wir zurück bei den Vibrationsabsorbern. “Ja klar, diese sind in der richtigen Grösse und Gummihärte nach dem Wochenende verfügbar”. Das sind durchaus erfreuliche Neuigkeiten. Zuerst wollten wir diese Teile aus Deutschland bestellen, aber das hätte wohl zu lange gedauert. Dass ein Absorber 138 Euro kostet (in Deutschland wären es 42 Euro gewesen(!)) ist nicht verständlich, passt aber ins Bild. Hier ist sämtliche Ausrüstung teuer, auch dieselben Seekarten aus UK kosten das doppelte wie in England).

Nach besagtem Wochenende kommen tatsächlich drei Jungs mit den gemäss Beschriftung korrekten Absorbern. Der eine ist der 70-jährige Chef. Er ist für die Aufsicht und für das Telefonieren zuständig. Ausserdem schwärmt er ausführlich von seiner schönen jungen Frau aus Afrika. Der zweite ist ein sehr lernbegieriger Übersetzer, etwa 30 Jahre alt. Er schaut zu und versucht redlich, zu übersetzen. Der dritte ist ein schweigsamer Mittvierziger, Brasilianer, welcher die Arbeit erledigt, und somit für das Einkommen von allen dreien sorgt.

Im Gegensatz zu den Teilen kostet die Arbeit sehr wenig: knappe zwei Tage mit drei Personen schlagen mit lediglich 240 Euro zu Buche. Teilt man diese durch drei Männer und zwei Arbeitstage zu jeweils fünf Stunden, so verdient im Durchschnitt jeder 8 Euro pro Stunde, Auto und Mahlzeiten inklusive. Die Moral von der Geschicht für unsere Kiddies: “Übe fleissig und lerne auch dein Mundwerk zu gebrauchen. Dann kannst die Arbeit alleine machen und alle Mäuse für dich behalten.”

Die Geschichte mit den Vibrationsabsorbern ist jedoch noch nicht zu Ende. Beim Herausdrehen einer der vier Gewindestangen bricht diese ab. Sie war angerissen und trug nur noch auf der Hälfte ihres Querschnittes. Wäre sie im Betrieb abgebrochen, so hätte unser Motor wohl mehr als nur ‘gewackelt’.

Schliesslich bleibt mir noch Zeit für den Ölwechselservice, zu welchen auch der Austausch des Ölfilters, des Dieselfilters und des Diesel-Vorfilters gehören. Diese Arbeiten gehen mir mittlerweile recht einfach von der Hand. Ich staune jedesmal, mit wie wenig Wartungsaufwand so ein Dieselmotor mit wohl einhundert bewegten Teilen auskommt!

(Das Bild zeigt übrigens einen der Vibrationsabsorber, derjenige mit der gebrochenen Gewindestange).

She made my day!

It seemed to become a nice day yesterday. Our trip from the Spanish village Portosin to an anchorage bay around Cabo de Cruz offered some wildlife experience which was new to us. Motoring down beautiful Galician coast lines we spotted an area with hundreds of seagulls quietly resting on the sea surface, kind of unusual. We changed course right into the seagull’s place to find the cause for that gathering. It didn’t take long to find the reason: Thousands over thousands of crabs were floating there, just below water surface and the birds apparently enjoyed a big eating party.

Somewhat later and after steering around stunning rock formations into Ria Arousa, our traveling direction had changed so that the little bit of half wind just seemed to be enough to sail for the last hour of the day. Out came the furling mainsail. A furling main sail is a main that rolls into the mast for stowing it away. Due to the easy conditions I was a bit too relaxed with controlling the tension of the outhaul line. In short words, the upper part of the sail got jammed inside the mast. From below we couldn’t see what exactly was wrong. The sail just wouldn’t roll neither in nor out, at least not much. A jammed main can easily become a serious problem, for example in a storm or on a gusty day with the shore on the ‘wrong’ side.

As low winds were forecasted for the next 48 hours, we proceeded to our anchorage bay under engine again. Bumping into a heard of eating dolphins was a pleasure but it didn’t solve the problem with our main. Having the anchor dropped, we decided to cook our dinner and wait for ‘manjana’ to fix the sail. The night was calm, with the main sail up.

Now comes the new day, and what made this day. Fixing the jammed sail is another job which requires one person to be hoisted up the mast. Manuela volunteered, in fact that was the better solution because hoisting myself up would require a body builder. So up she went, armed with our two biggest screw drivers and a Swiss Army knife for the case of further emergencies, for example if one finger would got jammed as well. That wasn’t going to be an easy job, that was for sure. Manuela is anyway better with undoing crazy tough knots and the like, and an extra portion of patience would certainly also be helpful. I’m better with pressing the buttons which would turn the motor to drive the main a bit in and then two mills out again. In fact, I got dozens of in-and-out commands and executed each one without any comment. Down came some funny noises, like on a women tennis court, quite an appealing sail problem.

Sitting in the cockpit next to my buttons I was already thinking who to call in case we couldn’t solve the issue by ourselves. Perhaps Carmela, Office Manager in the Club Nautic Portosin could recommend someone around Cabo Cruz who was good in fixing jammed sails. Just yesterday when checking out, she offered that we could call her, should we run into troubles. That was the friendliest of the friendly marina staff I have ever seen.

At my next glimpse up the mast I realized the the main now looked considerably better. Apparently, Manuela managed the worst part of it, and soon the command came to fully roll in and then haul out the sail for checking the full functionality. It worked, and my heart was – once more – jumping with joy.

My estimation was that it could take beyond three hours and a couple of new words for the kids to get this item solved. Instead, Manuela made it within one hour only and in silence (apart from the tennis, you know…). Moreover it should be mentioned here that she had fear of heights for the last decades, and working 18 meters above sea level, held and secured by two steel wires is definitely something which is well included in such fears. That even elevates her achievement of the day.

So Manuela received warm congratulations from the entire crew and enjoyed the second half of the day without any further house keeping or cooking or any other duties ;-). I gladly noted that my relaxed sail setting didn’t end up in one or two days of trouble, perhaps with many bucks gone.

Here I have to state that I would never trade in our fully electric driven furling main sail, also not after this nasty experience which, yes, left a couple of red drops on our main, nothing bad. Too many are the advantages. A yet unsolved issue however is that the bimini (cockpit shadow cloth) prevents direct sight to the main. That means that the one operating the main cannot really see what he is doing. This remains an open point for the time being.