Bye-bye Yuana

In den letzten Tagen des Jahres 2013 las ich das Buch ‚Sabbatical auf See‘. Es ging um eine schwedische Familie, welche für einen Winter in die Karibik segelte. Dieses Buch hatte ich mir zu Weihnachten 2013 gekauft.

Niemals hätte ich geahnt, welch grosse Dimension dieses kleine Weihnachtsgeschenk annehmen würde. Noch bevor das Buch zu Ende gelesen war, war die sogenannte Atlantikrunde zu meinem eigenen Traum geworden.

Die Inkubationszeit für dieses neuartige  Virus Betrug höchstens zwei Tage. Ich war ‚durch und durch‘ infiziert. Anfangs Januar 2014 startete sofort die breit gefächerte Planung. 2015 fanden wir Yuana, und 2016 wagten wir unsere erste Nachtfahrt nach England.

Ab Mitte 2017 trug Yuana uns über den Atlantik bis in die Karibik, und schliesslich zurück nach Europa. Unser Schiff wandelte sich zu unserem Zuhause, zum schwimmenden Ort unseres Lebensmittelpunkes. „Chum, gömmer hai!“ hiess, dass wir auf Yuana zurück wollten.

Mittlerweile stehen die letzten Tage des Jahres 2018 auf dem Kalender. Praktisch auf den Tag genau 5 Jahre nach der Geburt des grossen Traumes geben wir Yuana in neue Hände. Dem Vernehmen nach darf sie sich auf weitere Langfahrten freuen.

Ach was haben wir für eine schöne Zeit auf Yuana erlebt. Liebe Yuana, du hast uns in die verwunschesten karibischen Buchten gebracht, dorthin, wo man normalerweise nicht vorbei kommt. Du warst uns vor Anker und auf hoher See ein sicheres und komfortables Heim. Nun wollen wir dich ziehen lassen. Der Abschied schmerzt. Wir freuen uns über unsere gemeinsame, wundervolle Zeit, und wünschen dir für die Zukunft gute Winde und einen stets sicheren Hafen.

(das Bild von Yuana wurde im März 2018 an den berühmten Nelson‘s Dockyards in Antigua aufgenommen)

* * *

Du willst auch los? So ging es für uns:

Am Anfang war ein Traum. Es folgten tiefgehende Recherchen und Expertengespräche. Bald stand ein konkreter Rahmen in Form eines soliden Termin- und Finanzplanes, welchem die weiteren Planungsaktivitäten untergeordnet wurden.

Der Motor für diesen Prozess war die Vision, zusammen mit der Familie eine grosse Reise durchzuführen: für uns aussergewöhnlich, relativ komfortabel, und mit kontrollierbaren Risiken.

Ist der Ausgangshafen einmal verlassen, so ist das Gröbste überstanden und es wird nur noch einfacher (ausser wenn man illusioniert gestartet war): Jeder Schritt ergibt von alleine den nächsten, egal ob du in Europa oder in Afrika bist. Die Tagesdistanzen werden länger und länger, und irgendwann fühlst du dich bereit zum grossen Sprung über den Ozean.

Dabei erlebst du ‚am laufenden Band’ Freiheiten, welche du zuvor vielleicht nicht einmal gekannt hast. Viel Erfolg! Kontaktiere mich einfach, wenn du einen Rat brauchst…

Letzter Reisetag

Liebe Familie und Yuana-Freunde, nach einem genüsslichen Nachmittag im Texel Island Beach Spa (Teil des lokalen Food Festivals) mit Rückenmassagen für uns alle befinden wir nun auf dem letzten Schlag unserer Reise. In einigen Stunden werden wir in Makkum festmachen, da wo wir vor mehr als einem Jahr abgelegt haben. In unserem Kielwasser liegen über 11‘000 nautische Meilen, oder rund 20‘000 Kilometer. Wir sind äusserst glücklich über die gelungene Reise und auch etwas stolz auf die beiden Atlantiküberquerung, welche doch so gut verlaufen sind.

Unser Reiseblog kommt nun nun auch langsam zum Abschluss. Wir werden gelegentlich noch einen Artikel mit einer zusammenfassenden Rückschau publizieren.

Bis dahin beste Grüsse von Markus mit Familie!

The stunning Isles of Scilly

The Isles of Scilly (IOS) are located just southwest of Land’s End in Cornwall, England. There are more than 80 small islands, with only five of them inhabited, the longest one just two miles long. The temperatures wouldn’t drop below 10 degree C in winter which explains the existence of the palm trees.

We expected just a couple of cliffs and herds of sheep there, plus an anchorage to rest after the eight day crossing from the Azores. To our great surprise, we found stunning nature with white sandy beaches, few folks, a rich variety of gastronomy, and a healthy touch of exclusivity. For the first time in our lives, we thought that this could be our place for a holiday cottage. Did I we feel Scilly or the age?

The old town buildings of Hugh Town on the island of St. Mary are made of grey, heavy granite blocks. Having no particular painting, they must have looked the same for hundreds of years. That smelled a bit like eternity. Lovely! Same for the great harbor wall: Big at every extent and solid by all means, it would withstand every blow and wave.

At the time of our visit, there were flowers all over the place and we greatly enjoyed hiking and biking. The locals were very inviting and asked where where we came from. We told our story several times. An Atlantic crossing didn’t surprise them too much. People understood what we were doing and we found ourselves amongst seafarers.

During the Church service, we experienced not only British humor, but again strong ties to the sea. Also the songs took up the dangers of being out at sea. The local’s fishing past and dozens of cargo and passenger ships wrecked on the countless rocks may explain this.

Some friends from the UK recommended to visit the other islands named St Martin, Tresco and Bryher. To get there from St. Mary, we had the options either to sail around the group of islands to arrive from the other side at any time, or to take the direct line shortcuts. The shortcuts included sailing across land, obviously at high tide when the land was flooded with three or four meters of water.

Latter one becomes daily business once one has done it a couple of times. It was however the first time for me to navigate on areas which fall dry at low tide. So I wanted to be on the safe side and checked more than three times at when to leave and which route to take, in order not to run aground on a sand bank or even rocks. Soon I liked the game with the elements and enjoyed We arrived on the Scillies on the longest day of the year. The plan was to stay for a few nights only. Once again, the few nights turned into two weeks, firstly because we loved the place, and secondly because the winds were unfavorable for sailing into the English Channel. Finally, we found a suitable wind window and travelled to Dover, nonstop in 50 hours. This is where we say ‘Good bye for now!’, before heading for the continent.

For more Scilly pictures, check the landing page on the blog. The pictures change randomly as the sailing boat logo is clicked.

Breaking News – Wild Animal Rescued from English Channel

On July 6, 2018 the Captain in duty of Swiss flagged sailing yacht Yuana observed a green spot 10 nautical miles south of The Needles, central southern UK. It soon turned out that there was a crocodile in distress, still alive and afloat. The particular individual was wearing neither a life vest, nor had it any radio device to call for help.

Not considering the current winds which were low anyway at the time the emergency situation was understood, junior captain immediately turned the sailing yacht, now becoming a rescue vessel.

The crocodile was successfully rescued by the young crew of Yuana, which deserves to be awarded with the Golden Medal of Honor, one each.

The animal seems to be somewhat exhausted but still looks very grim and angry. From the instructions of use printed on the croc itself and under consideration of the winds of the past few days, it is believed that 205cm long and 80kg carrying Mr Ali Gater most probably escaped from a beach near Poole Bay. Mr Gater mumbled something about BREXIT.

The owners of Mr Gater are invited to collect their croc on July 7 from aboard sailing yacht Yuana, currently on its way, perhaps to Dover marina.

The rescue mission was documented by some most dramatic pictures, available here exclusively.

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Atlantik komplett

Heute 5.7.2018 um 14:25 Uhr englischer Zeit haben wir unseren eigenen Track vom 5.8.2017 gekreuzt. Damals haben wir von Falmouth UK aus zu unserem ersten langen Schlag über die Biskaya angesetzt. Heute, nach exakt 11 Monaten fahren wir wieder in den Englischen Kanal rein. Der Kreis hat sich geschlossen und unsere Atlantikrunde ist nun also komplett! In den kommenden Tagen geht es weiter nach Holland. Schöne Grüsse von Bord der Yuana!

Zurück in Europa!

Hallo Zusammen, hier sind wir wieder, zurück in der alten Welt, genauer gesagt auf den Isles of Scilly vor der südwestlichsten Spitze Englands. Man erkennt Nordeuropa zunächst vor allem daran, dass der Nordwind eine Prise Eis mit sich bringt, und dass unsere Schiffsheizung wieder läuft.

Auch brauchen wir keine ‚Atlantiküberquerungstage‘ mehr zu zählen. Yuana hat uns in den letzten Wochen hervorragend vor dem weiten Meer geschützt, und nun schützen wir sie wieder vor den Felsen der Küste. Das ist der Deal.

Wenn man den Zwischenhalt in den Azoren für den Moment mal ausklammert, so haben wir ab Karibik (Sint Maarten) bis hierher 25 Reisetage benötigt, und dabei fast 3‘600 nautische Meilen oder 6‘600 Kilometer zurückgelegt. Wie Winde waren günstig für uns, und alles ist störungsfrei abgelaufen. Das ist sehr bemerkenswert für mich, denn diese lange Etappe war stets die grosse Knacknuss an unserem gesamten Projekt überhaupt. Diese Nuss hat sich nun als durchaus knackbar erwiesen, und macht uns froh und dankbar.

Die Rückfahrt war trotzdem relativ kurz, wenn man die Rückreisezeit in Relation zur Hinreise stellt. Ab England bis in die Karibik (Barbados) hatten wir uns nämlich satte vier Monate gegönnt. Der Weg war das Ziel.

Der Weg bleibt das Ziel. Auch den nächsten Wochen wird es uns nicht langweilig werden. Nach den Islands of Scilly werden wir wahrscheinlich die Kanalinseln und die Normandie besuchen, und bei Gelegenheit noch den einen oder andern richtig gut englischen Yachtclub mitnehmen. Wir freuen uns schon darauf! Die Schweiz muss also noch ein bisschen warten.

Schöne Grüsse von Markus mit Familie

Atlantiküberquerung 2, Tage 21 – 23

Was wäre eine Ozeanfahrt ohne das Abschicken einer Flaschenpost? Schon in der Karibik haben wir für diesen Zweck passende Flaschen beiseite gelegt. Bald sind zwei schöne Kinderbriefe verfasst und werden in je eine der Flaschen gesteckt.

Die schwere bauchige Flasche des Plymouth Gin hat lediglich einen einfachen Schraubverschluss. Der wird nicht lange dichthalten. So schmirgeln wir einen Champagner-Korken auf das passende Mass und würgen diesen in den Flaschenhals hinein. Wie lange steht der Bügelverschluss der Rhumflasche die Seereise wohl durch, ohne zu rosten? Schliesslich wickeln wir beide Verschlüsse mit wasserdichtem und UV-resistentem orangem Vulkanisierband ein. Die Flaschen sind jetzt garantiert sehr lange dicht, und sie sehen wirklich auffällig aus.

Das Aussetzen einer Flaschenpost ist ein grosser Akt! Die einen verspüren dabei gar einen Trennungsschmerz! Tatsächlich sehen die hinter uns dümpelnden Flaschen äusserst einsam aus auf dem grossen Meer, und bald können wir sie nicht mehr sehen. Dafür liegt ein Hauch von Abenteuer in der Luft. Es sind noch viele hundert Kilometer bis zur nächsten Küste. Wenn es eine bis dahin schafft, dann zerscherbelt sie vielleicht an einem Fels. Mal sehen, die Lieferung könnte durchaus unendlich lange dauern.

Wir haben guten Rückenwind und die Tage laufen ganz passabel. Wie immer werfen wir die organischen Küchenabfälle einfach zum Küchenfenster raus. Liebe LeserInnen zuhause, stellt euch einmal vor ,ihr könntet die Grünabfälle einfach zum Fenster rauswerfen und schon wären sie zurück in der Natur. Kein Grünkübel, keine Fruchtfliegen, kein Kompost, und doch alles gut… So eine Seefahrt hat eben schon ihre Vorteile, haha.

Sodann haben wir nach reiflicher Überlegung unser nächstes Reiseziel abgeändert. Bei Abfahrt in den Azoren wollten wir eigentlich Brest in Frankreich anlaufen und die Bretagne besuchen. Die Gegenwinde der kommenden Woche würden es uns jedoch sehr schwer machen, von Brest aus in den Ärmelkanal und weiter nördlich zu kommen. So haben wir entschieden, anstatt Brest die Islands of Scilly anzulaufen. Die Scillies sind eine kleine Inselgruppe vor der südwestlichsten Ecke Englands. Normalerweise kommt man dort nie vorbei, und das ist jetzt unsere Besuchsgelegenheit.

Die Nächte verlaufen recht ruhig. Wir können die Nachtwachen mit dem anhaltend günstigen Rückenwind problemlos zu zweit durchführen. Markus ist jeweils von 20 bis 2 Uhr im Cockpit, und Manuela deckt die Zeit von 2 bis 8 Uhr ab. So kann jeder einmal lang schlafen, und den Rest holen wir tagsüber nach, wenn wir nicht gerade Essen machen, abwaschen oder Schule geben. Ja, so eine Seereise hat auch Nachteile!

Unsere Rettungswesten tragen wir sowieso fast immer. Zusätzlich ist nachts jeder draussen im Cockpit mit einem Gurt am Schiff angebunden. Es darf absolut keine Möglichkeit geben, dass jemand über Bord geht, zum Beispiel auch nicht bei dem unwahrscheinlichen aber doch möglichen Zusammenstoss mit einem Wal.

Zu unserer grossen Freude ist in diesen Nächten das Meeresleuchten zurück, und zwar in einer ganz neuen Form. Zu beiden Seiten leuchten grossflächig die Turbulenzen der Bugwelle. Zusätzlich setzt jede auf dem Meer brechende Welle ihren Leuchtteppich frei. So kommt es, dass nachts überall um uns herum kleine Lichter aufleuchten und wieder auslöschen, es ist fabelhaft! Das Beste ist jedoch der knapp 1 Meter breite und 30 Meter lange Leuchtteppich, welcher Yuana im Kielwasser hinter sich herzieht! Jetzt fehlen nur noch die Leuchtspuren umherfliegender Delfine!

Wir machen Schule und Spiele, wo man nicht viele Bücher und Hefte auslegen muss. Geographie steht zur Zeit ganz hoch im Kurs. Auch die französischen Lernkarten für das kleine Einmaleins bewähren sich wieder mal prächtig. Ein ganz beliebtes Spiel dieser Tage ist der Schrei-Contest wie die Kinder sagen (wer kann am lautesten quieken?). Abends zieht zuweilen das blaue Kamel durchs Schiff und kitzelt die Kinder aus.

Hier folgen noch die Etmale der letzten Tage. Wer sich wundert weshalb unser Weg auf der PredictWind-Seite nicht mehr geplottet wird, dem sei versichert, dass wir immer noch unterwegs sind. Mein PredictWind-Abo ist diese Woche ausgelaufen, und der Plott-Service damit auch.

Die Tage sind Segeltage ab Sint Maarten, Karibik:

Tag 23: 151 sm
Tag 22: 142 sm
Tag 21: 156 sm
Tag 20: 154 sm
Tag 19: 159 sm
Tag 18: 142 sm (Tag 1 ab Azoren)