Barbados

Unser Ralley-Veranstalter Cornell Sailing war sich offensichtlich der Prioritäten seefahrender Crews bewusst, denn das Willkommenspaket beinhaltete eine SIM-Card für jedes Crewmitglied. So waren wir in Kürze mit dem Internet verbunden, und haben uns über die vielen lieben E-Mails gefreut! „Danke!“, liebe Familie und Freunde, für eure Glückwünsche zum Half Way und zur erfolgreichen und schnellen Überfahrt! Wir haben uns riesig über eure Post gefreut!

Direkt nach der offiziellen Einreise haben wir Yuana in den Stadthafen von Bridgetown verholt. Die Bajans (so nennen sich die Locals) fahren total auf Weihnachten ab. An ersten Abend wurde in einer lauten Nachtparty der neue Weihnachtsschmuck (reich befrachtete Plastik-Tannenbäume über-all) gefeiert. In der folgenden Nacht wurde gefeiert, dass Weihnachten vor der Tür steht.

Auch sonst hat es uns in Barbados gefallen. Hier und da wird man angesprochen, ob man eine Taxifahrt oder ein paar Früchte gebrauchen könnte. Keiner nimmt es einem übel, falls das zufällig gerade nicht der Fall ist. In einem Fall haben wir jedoch ein Taxi gebraucht. Wie wir während der Fahrt im Minivan gemerkt haben, wird der Wagen wohl mit umgelegten Sitzen auch für Leichentransporte verwendet. Flexibilität hilft eben beim Geschäften ;-).

In Barbados verabschieden wir uns auch von unserer Zusatzcrew. Joachim ist schon von Bord und geniesst seine 75 Quadratmeter Hotel-Suite. Jeanette wird auch noch einige Inseltage geniessen, bevor es zurück nach Schweden geht. „Joe the Fisherman“ und „Jeanette the Trimmer“ haben uns sooo toll ergänzt. Wir hatten eine super Zeit zusammen, und das erste Mal seit dem September in Lissabon konnten Manuela und Markus wieder einmal alleine ausgehen. Vielen lieben Dank Joe und Jeanette, dass ihr mit uns gefahren seid und für uns da wart!

So sind wir nach Jahren der Vorbereitung also tatsächlich am östlichsten Ausläufer der Karibik angekommen. Erst mal müssen wir uns im neuen Fahrtgebiet zurechtfinden. Auf welchen Inseln kann man in die Grenadinen einreisen, und wo gibt es eine Schiffstankstelle mit sauberem Diesel? Das geht am besten mit Internet und anderen Seglern zusammen in einer schönen Strandbar. Weil wir immer nur gerade wenige Tage planen gibt es natürlich umso mehr Bedarf, sich in der nächsten Beach Bar wiederzufinden. Damit können wir sehr gut leben.

In den letzten Monaten haben wir viele neue Freunde gewonnen. Diese Tage geht es nun in die Grenadinen, um dort ein gemeinsames Weihnachtsfest zu feiern. Auch das will natürlich wohl geplant sein. Auch in die Schweiz und alle Welt senden wir dazu ein herzliches „Viva!“ und „Prost!“ aus Barbados!

Neue Crew!

Nun ist unsere Mannschaft vollständig! Markus’ Bruder Joachim ist vor einigen Tagen mit dem Flieger in Mindelo eingetroffen, um mit uns über den Atlantik zu segeln. Joachim hat bereits einige Segelreisen hinter sich. Sein spektakulärster Törn ging ab Argentinien (Ushuaia) auf die Antarktische Halbinsel, und wieder zurück. Das war ein Törn von insgesamt vier Wochen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 65 Knoten und einer mittleren Wellenhöhe von bis zu 6 Metern. Unser kombiniertes Segelwissen wird somit um ein wichtiges Erfahrungsgebiet erweitert!

Mit vier Erwachsenen, zwei Kindern und all dem vielen Proviant an Bord ist unsere Yuana nun schwer beladen, und das Platzangebot weiter eingeschränkt. Das nehmen wir bewusst in Kauf.

Zurück zu den Vorteilen: der praktischste Aspekt der zusätzlichen Person ist, dass wir die Nachtwachen auf mehr Leute verteilen können. Das wird jedem viele zusätzliche Stunden zum Relaxen geben. Besonders bezahlt macht sich das, falls einmal schweres Wetter aufziehen sollte, und nicht mehr alle fit für die Bootsführung sind.

Gemäss dem Zweiwochen-Seewetterbericht werden wir jedoch kein Schwerwetter haben. Es wäre auch recht ungewöhnlich für diese Jahreszeit auf dieser Route. Einigermassen zuverlässig wissen wir, dass die ersten drei Tage sehr wenig Wind bringen werden. So fahren wir nun Kurs Südwest, bis wir auf die aktuell sehr weit südlich laufenden Passatwinde treffen.

Ahoi Joe! Super, dass du an Bord bist!

By the way: nur noch 2005 Seemeilen bis Barbados.

Tag 5 & 6 – Fliegende Fische

Als Kind dachte ich, dass fliegende Fische ins Reich von Peter Pan und 1001 Nacht gehören. Die Kombination von Fliegen und Schwimmen wollte einfach nicht so recht zusammenpassen. Kann sich jemand ernsthaft vorstellen, dass entweder ein U-Boot fliegen oder ein Flugzeug nach Belieben abtauchen kann? Das waren so meine Gedanken als kleiner Knirps, während die anderen Jungs sich auf dem Gras mit viel Körpereinsatz um einen Ball gestritten hatten, haha.

Nun habe ich die fliegenden Fische mit eigenen Augen gesehen, und beobachte folgendes: Es ist nicht etwa so, dass sie aus dem Wasser springen, um nach einigen segelnd zurückgelegten Metern zurück ins Wasser zu platschen. Nein, sie fliegen aktiv, und zwar mehr als 50 Meter weit. Sie passen ihre Flugbahn den Wellen an. Sie fliegen mit geschätzten 10 Metern pro Sekunde und sind dabei über einen Meter über der Wasseroberfläche. Sie können keine engen Kurven fliegen. Um zu steuern und müssen sie sich in die Kurve legen.

Der Flug sieht schnittig und grazil aus. Würde man diese unglaublichen Tierchen mit einem kleinen Sportflugzeug à la Breitling vergleichen, so wäre eine ordentliche Nordseemöve dagegen bereits ein Airbus A380. Natürlich muss man bei diesem zugegebenermassen sonderbaren Vergleich bedenken, dass der Breitling nach einem Taucher bei aller Wendigkeit nicht mehr selber in die Luft kommt. Da die fliegenden Fische nebst der eingeschränkten Lenkfähigkeit offensichtlich nachts nicht sonderlich gut sehen können, muss man morgens jeweils eine Hand voll Kadaver vom Deck über Bord befördern.

Wenn es anstatt der tausenden von fliegenden Fischen nur etwas mehr Thunfische, Goldmakrelen, Delfine und Wale gäbe! Mit dem Fischen und Fish Watching waren wir nicht besonders glücklich auf dieser Tour. Den andern Schiffen ist es auch nicht viel anders ergangen.

Dafür war schön, dass wir uns täglich um 10 Uhr über Funk mit der Crew von A Capella of Belfast unterhalten haben. Man fragt gegenseitig, wie die letzte Nacht war, wer welche Schiffe aus unserer Rally um sich herum hat, oder bespricht technische Themen. Zunächst schien mir das etwas belanglos, aber immer wieder kommt man so an brauchbare Informationen heran. Bei uns an Bord haben stets alle gespannt mitgehört, was auf dem anderen Schiff gerade läuft. Die Funkrunde hat schnell einen festen Platz im Tagesablauf eingenommen.

Besonders luxuriös fanden wir das Körpergefühl nach dem Duschen. Das Duschen selbst ist wegen der Wellen eine mühsame Angelegenheit. Daher und auch wegen dem Wasserverbrauch gönnt man sich keine tägliche Dusche. Wenn man jedoch geduscht hat und getrocknet ist, dann stellt sich ein normalerweise unerkannt flauschiges Hautgefühl ein, angeblich auch bei den weniger behaarten Frauen ;-). Das kommt wohl daher, dass endlich mal wieder die salzige Schmiere von der Haut weg ist, welche Feuchtigkeit bindet.

Nun sind wir nach exakt sechs Tagen Fahrzeit in Mindelo ankommen. Weil wir volle sechs Tage und nicht nur fünf Tage auf São V bleiben wollen, haben wir in den letzten drei flauen Nächten mit dem Diesel etwas nachgeholfen, wie einige andere auch. Seglerisch waren Yuana und wir ein ganz tolles Team. Wir freuen uns alle, dass Jeanette auch dabei ist, wenn wir am 23. November nach Barbados aufbrechen! Genauso freuen wir uns auch auf ein sechstes Crew-Mitglied, welches in den nächsten Tagen in Mindelo zu uns stossen wird.

Etmale:

6. Tag: 146nm

5. Tag: 150nm

4. Tag: 150nm

3. Tag: 148nm

2. Tag: 126nm

1. Tag: 134nm

Total:

– Santa Cruz de Tenerife nach Mindelo:854nm (1582km)

– Makkum (NL) nach Mindelo: 3265nm (6047km)

Day 3 & 4: Partying and trouble shooting

Days 3 and 4 usually are more relaxed, compared to the first two days of the passage. The biorhythms get used to life at sea, which includes the continuous motion from the waves and the need for a day and night watch. With three adults on board, night watches get considerably shorter than for a couple only, what a luxury!

So we had more time for party: we celebrated the crossing of the 20st meridian which happened to be in the middle of the night. The boy set the alarm clock. At 4 a.m. sharp one pair of proudly looking kids eyes appeared at the cockpit. I welcomed him to the party and suggested to get properly dressed. The search for his clothes however made him so tired that he fell asleep again on the next bunk. So we’d better party during the day. To eat, kids choose popcorn and sour worms. Captain offered drinks and the ladies on board even made colorful paper decorations for it.

Later the same day Jeanette is the one who realizes that we are just about to pass the half way point to Mindelo. That calls for another great party, namely a Half Way Party (this is a thoroughly legendary term for some of my dear readers!). As we discuss to celebrate this one, we whiteness the fishing rod going all the way back. “Fish! Big Fish!” Our fishing line is really strong, the last meter even in steel so that fish can’t bite it off. The line is unfortunately not strong enough and snaps. You know what? Mr BigFish now carries a beautiful lip piercing. It is a bluish-silvery jelly octopus, contributed by Swiss blue water cruisers Carmen & Maurice. RIP, dear Jelly Octopus. You were the best lure we had. Dear Carmen, I believe to know that you really liked this particular octopus. When we will be back in Switzerland, we shall party for luckily pierced Mr BigFish. Apologies for the loss!

Noteworthy is also that we are back in Summer, on a day mid November. Day temperatures are like on a convenient beach day with water finally being up to 25 degrees C. It is hard not jumping into the deep blue. Problem is that the way back onto the boat could be troublesome (if not dangerous) with the boat rocking up and down in the seas. Anyway, no one on board misses typical November weather in our home places Switzerland and Sweden.

After we had a bird messing up to whole starboard deck last night we had his colleague sitting inside the boat on the galley this night. It must have come through the open hatch above the galley. Sure the galley gave a nice toilet for him. Markus was actually out on the watch when he heard some very uncommon noise inside. There was the bird, but the noise was like a cat which would continuously start to hiss. Chhhh. Chhhh. Chhhh. First I brought the bird out. It was weighing just nothing. Incredible how they can survive at sea. As expected the noise didn’t stop when the bird was away. Chhhh, Chhhh, Chhhh, … The engine room was ok, the water maker in the cockpit locker and the fridge as well. Finally we found that pressurized water hose underneath the galley board died after four month of use only, a manufacturing mistake. But why did hissing start and stop all the time? The puncture in the hose was relatively small, so small that the water pump was able to fill the pressure vessel for a few seconds each time. Good that we carry all kinds of spare parts, also water hoses. Issue fixed.

Another defect was that the position tracking for our boat failed shortly after we left. We could start tracking of the error only with a big delay. The cause of the error was that we had to re-configure the interface between our satellite communication system and the weather software. When doing that, the weather software has re-directed our tracking signal to the weather company. This remained undetected by myself since the setup for tracking is not in the same menu as the weather interface. Apologies to the ones who were frightened for some time. Please rest assured that everybody is fine and we have a great time together.

Let’s talk about sailing:
A sail change at three o’clock in the morning is quite a mind challenging task. Actually we took the Code Zero light wind sail down and changed to a poled out genoa. There were not less than eight different lines in the area. You don’t want to mess up with these ones, and one action which is not clearly thought to the end can easily trigger an unwanted event. Markus likes such tasks. The ladies however didn’t like seeing me on the foredeck at night with the waves rolling the boat.

To make it even nicer, we have reached a first sailing culmination for our entire trip so far. There were force 6 winds from astern and waves peaking up closely to 3 meters. For a couple of hours the boat was going really fast. We were often above 8 knots of speed, well competing which much faster boats. Another boat remarked their respect about our sailing performance over the VHF radio. We put it down to our nice Swedish Hallberg-Rassy design and the Swedish sail trimmer. Once Yuana was even doing 11.2 knots when surfing down a wave. The boat felt so stable and kind of unaffected by the waves. It was a big pleasure, and the weather gods may be kind enough to give us more of that!

Data log
Day 4: 150nm
Day 3: 148nm
Day 2: 126nm
Day 1: 134nm