Privatinsel Mustique

Nach dem wir Grenada verlassen haben, sind wir erneut in Sankt Vincent und die Grenadinen eingereist. Die südlichen Grenadinen hatten wir ja bereits ausführlich erkundet. Nun wollten wir auf unserem Weg nach Norden noch die Inseln Mustique und Bequia kennenlernen.

Die Insel Mustique ist knapp 5 Kilometer lang und halb so breit. Im Jahre 1958 kaufte Colin Tennant, ein britischer Baron, die Insel für 58‘000 Englische Pfund. Nach heutigem Geldwert sind das schlappe 1,7 Millionen Franken. Tennant schenkte der befreundeten Prinzessin Margaret zu deren Hochzeit 1960 ein Stück Land auf Mustique, und schon bald war die erste Villa gebaut. Heute finden sich ein paar Duzend sehr grosszügige Villenkomplexe an den schönen Stränden und auf den Hügeln. Sie gehören gut betuchten Personen aus der Wirtschaft und aus dem Showbusiness. Angeblich trifft man in einem der drei Restaurants gelegentlich auf Brian Adams, Mick Jagger, oder andere Berühmtheiten. Einige dieser Personen vermieten ihre Anwesen. Die publizieren Preise liegen im Bereich von 20‘000 – 50’000 Franken, pro Woche, versteht sich.

Hier kommt nur vorbei, wer mit dem Privatflieger anreist. Man will unter sich sein. Wir Yachties sind auch willkommen, hurra! Nachdem wir Yuana an einer Boje festgemacht und Dorie zu Wasser gelassen haben, fahren wir zum Dinghidock.

Ein Dinghidock ist übrigens ein Steg, wo die Yachties ihr Gummiboot festmachen, wenn sie von der ankernden Yacht an Land gehen. Manchmal liegen mehr als 20 Dinghis an einem Steg, alle Kopf voran angeleint. Es macht zuweilen den Eindruck, als wären die Dinghis Arbeitspferde, die zum Fressen hierher gekommen sind.

Nicht so in Mustique. Lediglich zwei oder drei Dinghis warten hier, als wir anlanden. Auf einer Wanderung lernen die Insel kennen. Auf den wenigen Strassen fahren fast ausschliesslich Unterhaltsfahrzeuge der Mustique Company. Alles wird perfekt unterhalten, nirgends liegt Laub oder etwas anderes Unerlaubtes auf den Strassen. Wir gehen an den Hügeln vorbei, welche die Villen vor Einblicken von der Strasse her schützen. Die Kokospalmen sind genau so gegenwärtig wie die hohen, wogenden Grashalme einer Wiese oder der mit lauter runden Steinen belegte Strand in einer Bucht. Der stete Passatwind lässt die Büsche schräg wachsen, und treibt die neblige Gischt der Atlantikbrecher in die Hügel. Vom Land aus sieht das Meer manchmal so gefährlich aus…

Während unserer Wanderung haben wir nebenbei den Flugplatz gerundet, uns so könnten wir zuweilen dem spärlichen Betrieb zuschauen. Kommt ein Flugzeug an, so erwacht der Flugplatzes kurz. Am Feuerwehrauto gehen für 10 Minuten die Warnlichter an. Zwei bis sechs Personen steigen aus dem Flugzeug aus und gehen in das kleine Bambushaus, wo der Zoll und die Einwanderungsbehörde ihr Bürochen haben. Einmal steigt lediglich eine Tasche mit Golfschlägern aus. Da hat doch glatt jemand etwas zu Hause vergessen. Einen Golfplatz haben wir zwar nicht gesehen, aber man kann ja teure Golfbälle auch ins Meer oder in die Pampa hinauspfeffern, wenn man will. Sind die Golfschläger ausgeladen, so werden die dekorativen Flaggen von den Masten geholt, die Türen des Bambusterminals werden geschlossen, und der Feuerwehrmann fährt mit seinem Feuerwehrauto quer über die Insel nach Hause. Unweigerlich erinnert man sich an eine Miniaturlandschaft im Legoland.

Die Insel scheint so unglaublich einfach und normal zu sein, und trotzdem habe ich an keinem anderen Ort unserer Reise mehr fotografiert. Es ist wohl die natürliche Abgeschiedenheit einer Parkinsel im Meer, welche den magischen Reiz ausmacht.

Im Restaurants Firefly bezahlen wir für einen kleinen aber feinen Lunch 166 Franken, was uns beinahe schockiert. Schliesslich merken wir, dass es in der Schweiz wohl noch mehr gekostet hätte. Wir haben uns mittlerweile echt an ein anderes Preisniveau gewöhnt. Und, wen haben wir kurz und verstohlen beäugt, wen entdeckt? Es waren ein paar ältere Leute, die ihre Ruhe haben wollen. Einige Mittfünfziger haben genauso verstohlen zu uns herüber geschaut. Später stellt sich heraus, dass es unsere Nachbarn vom Katamaran an der nächsten Boje waren, haha.

Wir lieben Mustique. Wenn wir eines Tages unsere Yuana verkauft haben werden, dann können wir uns ja nach einer kleinen Mustique-Villa umschauen ;-).

Da war noch ein anderer ‘totaler Bringer’ in den letzten Wochen in SVG und auf Grenada: Es waren die am Baum gereiften Passionsfrüche zu 2.50 Franken das Pfund. Da gab es keinerlei Zurückhaltung!

Grüsse von den Yuana’s, jetzt in der Rodney Bay auf Saint Lucia

Grenada

Grenada welcomed us with one of the better sailing days when cruising down their open ocean coasts with nice winds and almost no waves. We soon parked Yuana in the Marina of the Hotel Resort http://www.LePhareBleu.com

Le Phare Bleu is a Swiss owned and operated boutique hotel and marina, with all facilities open to the sailors as well. The name relates to the Swedish lighthouse ship which serves as their landmark, as a breakfast and music place, and which also houses some showers for the marina guests. This was our starting place to explore Grenada.

We arranged for a couple of onshore family runs, together with our friends from Mirabella, Kisu or Magellan. The rain forest refused us: loads of mud and flooded trails made it impossible to hike. We decided to give up and turn back after one hour, one kilometer and full of dirt. At least, we found some monkeys and waterfalls accessible by car which gave us an impression how it looks inside the jungle.

Our drivers stopped several time along the narrow and steep roads to show us trees where banana, mango, papaya, coconut, passion fruit, grape fruit, sorrel and other more exotic things grow. We also liked to learn where cloves grow and how cinnamon is produced.

Nutmegs are a chapter for itself, as the edible nut is packed in a triple shell, here described inside-our: Shell number one is very thin and hard and opens with a nut cracker. Shell number two is a fancy looking red netting called ‘mace’. It is the most precious part and used for flavoring of beverages or as a fragrance. The outermost shell finally is a thick cover comparable to a chestnut over in Europe.

The various fruits and spices amazed us and the kids. The kids favorite however was the chocolate factory, and inside the factory particularly the place where the products could be tasted. We bought a 1kg chocolate bar which shall soon give us a nice chocolate fondue. Hope nobody will die from the sugar flash.

Sure we were at the dinghy concert which was given on a raft in our bay. It was like on the street parade in Zurich, just with one stationary love mobile only and much better music. A small crowd of 300 gathered there to hang out on the water with friends, having a couple of drinks and enjoying great local sounds from the stage.

Visiting Grenada unveiled also some aspects where some might need to get used to. We want to write about this because we found it to be a part of their country or culture:
– Staff in a restaurant sometimes seem to be quite hesitating about serving customers. So we just grabbed the menu from the front desk and met the waitress at the bar for placing orders and paying the bill.
– Roads are very small. A safe driver won’t bring you farther than 30 kilometers in one hour. The hundreds of car wrecks rotting along the roads tell sad stories about the unsafe drivers.
– Locals pay no income tax. The state makes its money with import taxes only. The is a 150% surcharge on cars and 50% for the goods bought at the ship chandler where a lady used 5 minutes to bring a hand written invoice up to shape for me. Efficient?
– Many business potentials seem to be wasted without taking the chance to materialize them. Why isn’t the nutmeg place proudly serving cakes and drinks flavored with their products? Perhaps because they are proud that they haven’t changed their factory since the early days 50 years ago.
– The post system is dead slow. Still after three weeks, our new flag didn’t arrive and we had to leave without it. Too bad!

Still, do it as we did and visit this beautiful island! It‘s definitely worth it!

Auf dem Weg nach Hause

Wir haben heute morgen um 9:30 Uhr Lokalzeit das Südwestkap von Grenada, den Point Saline, in nordwestlicher Richtung passiert. Wir waren damit rund 7550 Kilometer Luftlinie (natürlich mit Erdkrümmung) von zu Hause entfernt und weniger als 100 Kilometer von Venezuela’s Gewässern entfernt. Uns allen geht es bestens und Yuana macht einen super Job!

Vor allem aber heisst das, dass wir nun geographisch gesehen auf dem Heimweg sind. Auch wenn wir noch nicht wirklich bald nach Hause kommen wollen, so ist das trotzdem eine tolle Sache für einen Montagmorgen!

Die Kiddies fragen, was unsere Freunde und Leser an diesem Morgen gerade tun. Also machen wir doch ein kleines Spielchen, wenn ihr Lust dazu habt.

Liebe Leser: lasst uns wissen, was ihr heute Montag gemacht habt, und wie es euch dabei ging. Wir fassen dann anonym zusammen und lassen euch die witzigsten Antworten auf selben Wege wissen.

Harboring the Canaries

The last 12 hours on our way from Madeira into the Canaries were quite exhausting. We made a decent progress, in rolling waves and against the wind. Some salty drizzles went over the cockpit every now and then. The outer deck however saw a lot of sea water. Somehow, approximately 50 liters of the salty liquid ended up in the bilge, which is the deepest point INSIDE the boat.

The 50 liters itself wasn’t too much of an issue, but the fact that salt water gets into the boat is definitely unwanted. Skip this section if you are not interested in technical terms. Our cockpit and part of the deck are drained via reinforced hoses through the interior of the boat and out underneath the water line. Shorty after buying the boat I checked and fastened all of the hose clamps which secure these hoses, each one going from a hose sleeve below deck down to a valve, before going into the sea. Somehow, I must have missed one of these hose clamps, certainly the one which came loose, draining some deck water into the bilge. Item solved.

Arriving in the Canaries, we anchored in famous Francesa Bay. As many places, it has unveiled their beauty to us only after a day or two: its underwater world. The first day in the anchorage was tough again: 35 degrees Celsius at 35 knots of wind and 1 meter swell in the anchorage. Not a good anchorage on that day indeed. Anyway, we wanted to be there because it is a nature reserve and we got a special permit to be there. The good news is that our anchor held rock solid, but two anchor retention lines (the lines taking the load off the anchor winch) broke due to the heavy rocking of the boat.

Two days later and in the port of totally dry island of Graciosa, we found ourselves in a very little village, all houses painted white, with sandy lanes in between. There were only two hands full of cars for the entire village. A horse wagon on a restaurant roof reminded of the old days. During the weekend, the place was looking like a neat hippy village, with dreadlocks men and women trying to make some bucks with selling nice hand craft. Customers however seemed to be not too many.

On Graciosa and a week later on Lanzarote, we got more of the volcano stuff all over the place. In the cactus gardens we learned that the saying ‘hard shell soft core’ really can also be the other way round: some of the huge cactus were cut back. There we spotted that those cactus have a core hard as wood, packed into a relatively soft shell. Then there was the camel ride. We not only rode these fantastic animals, we also took a deep look into their eyes: most of them seamed to be good-natured. But there was one really mean looking chap, perfectly prepared for the Horror Rocky Camel Show.

More animals? Yes. When kissing our friends from yacht Tomskii Kastan goodbye, Markus learned that his beard apparently felt like a hedgehog. Too much hair in the face… At least she didn’t call me a porcupine, haha. We enjoyed great times with the Tomskii’s, certainly enough wine, great beach barbecues, and our kids learned how to carve dragons out of cucumbers. Thank you, dear friends, and see you again!

From Lanzarote we did an overnight sail to Tenerife. A teenage Mahi-Mahi of 80cm was on our hook. The colors were beautifully green and gold, until it died. Then the color suddenly changed to grayish silver, as most fish would look like. Tenerife will be the place where we conclude our preparations for the crossing of the Atlantic Ocean. A separate post about the preps will follow.

Something nice to close this season review? Yes of course: If Markus shall recommend a place in the Canaries, it will be the restaurant http://www.cantinateguise.com for an overwhelming burger with truffel sauce, and for the hot pants as well.

Auf dem Wüstenschiff über den Vulkan

Für die kurze Zeit eines kurzen Ausfluges durch Sand und Felsen satteln wir von unserem Wasserschiff auf zwei Wüstenschiffe um. Man könnte sagen, dass sie mit ihren treuen Augen und weichen Mäulern geradezu niedlich aussehen (siehe Bild!), auch wenn dieses Attribut mit ihrem Lebensraum genauso wenig zu tun hat, wie ein Segelschiff mit der Vulkanwüste auf Lanzarote.

Zunächst aber besuchen wir eines der bedeutendsten Lavafelder weltweit, den Nationalpark Timanfaya. 1730 und 1824 ist es hier letztmalig zu riesigen Eruptionen gekommen, welche teils über sechs Jahre angehalten haben. Nachdem man im Drive-Thru Stil eingecheckt und sein Auto auf einem der Vulkankegel abgestellt hat, wird man im modernen Reisebus auf abenteuerlich geführten Strassen durch das Vulkangebiet gefahren. Ein bequemeres Museum haben wir noch nie gesehen! Die Landschaften sehen nicht so aus, als würden sie zu dieser Welt gehören. Aus der Nähe betrachtet geben die einzelnen Lavabrocken und Höhlen zuweilen sogar einen grotesken Eindruck ab. Die nun erstarrte, einst flüssige Gesteinsmasse kann einem durchaus an die selbstverständlich in-existenten Giessunfälle in einem Stahlwerk erinnern.

Das Besucherzentrum auf dem Parkplatz-Kegel gibt eine gute Vulkanshow ab. Über einem ziehbrunnen-artigem Loch – in einigen Metern Tiefe ist es 800 Grad warm – brät das Restaurant seine Pouletbeinchen. Die haben hernach sicherlich einen rekordhohen Anteil an Schwefel, und was sonst noch alles in pyroklastischen Dämpfen enthalten ist. Nichts für uns. Gleich nebenan haben sie eine Art Schweizer Milchkannen im heissen Boden eingegraben. Schüttet man oben 5 Liter Wasser rein, so verdampfen diese auf den vulkanisch aufgeheizten Milchkannenböden in der Theorie schlagartig zu 8000 Liter Wasserdampf. Diese Menge hingegen hat in unserer Milchkanne niemals platz. In der Praxis gibt das die schönsten Geysire ab, und alle wundern sich, wie das geht, haha. Du weisst es nun ;-).

Von Scania und Neoplan wechseln wir auf Mariaa und Vulcán. So nämlich heissen die beiden Wüstenschiffe, welche uns bei starkem Wind über den heissen Sand schaukeln. Um die Namen der Tiere festzustellen nestelt der Kamelführer – wir nennen ihn mal Abdullah – im krausen Fell am Hals dieser schönen Tiere herum. Wie er dort tastend die Namen fühlt, eröffnet sich uns nicht. Jedenfalls gewinnen wir den Eindruck, dass Abdullah eine ähnlich innige Beziehung zu seinen Tieren haben muss, wie ein Schweizer Bauer zu seinem Bruno und seiner Fiona.

Mariaa und Vulcán mögen es, wenn man sie (im Liegen) hinter den Ohren krault und über den Augen streichelt. Um mehr davon zu haben drücken sie sich etwas gegen die Hand, so wie Katzen dies auch tun. Wie der Katzenkopf geht dabei der Kamelkopf nach oben, allerdings gleich 1 Meter, weil der Hals eben viel länger ist.

Wie Wasserschiffe sind Wüstenschiffe gleichmässig zu beladen. Sitzt auf einer Seite ein Kind und auf der anderen ein Erwachsener, so wird die Kinderseite zusätzlich mit einigen Sandsäcken beladen. Wie ein solches Tier aus dem sitzen und mit 40% seines Eigengewichtes beladen aufsteht, ist ein Schauspiel für sich. Jedenfalls weist Abdullah uns an, sich mit beiden Händen am Sitzgestell gut festzuhalten. Wohl geraten! Abwechslungsweise und ruppig geht es hinten und vorne hoch und höher, bis die Tiere stehen.

Während dem Ritt über die vulkanischen Sandhügel stellt man sich gerne auf einer Kamelreise vor, durch die Sahara, von Oase zu Oase und von Dattelpalme zu Dattelpalme (für das leibliche Wohl will ja auch gesorgt sein)! Dann staunen wir wieder hinunter zu den Füssen der Tiere. Passend zum Fussabdruck nennt unser Sohn diese Quadratlatschen. Der Fuss ist eine grosse, plastische Masse (die Kamele gehören zu den Schwielenfüsslern). Sobald der Fuss abgesetzt ist, drücken die Fussknochen sanft diese behaarte Schwiele breit, und man fragt sich, warum diese Wüstenschiffe trotz der weichen Füsse eigentlich so stark schaukeln? Es kommt wohl daher, dass die Mariaa’s und Vulcán’s dieser Erde ihre Vorderfüsse im Gehen sehr ruckartig entlasten.

Zu bald schon ist die Tour zu Ende. Abdullah muss seine Tiere regelrecht beschwören, sich wieder hinzulegen: “Couche…!” “Couche…!”, eins nach dem anderen. So spektakulär wie es hinauf ging, geht es nun wieder herunter. Sobald ich festen Boden unter den Füssen spüre springe ich auf, um den ‘Hinlegevorgang’ des Kamel mit unserem beiden Kiddies zu filmen. Abdullah bedauert das sehr, denn nun ist Vulcán lediglich noch einseitig mit meiner Frau beladen. Ich muss mich wieder hinsetzen, damit wir erneut gemeinsam aufstehen können. Nun gut, der Höcker steht noch gerade, und das Dromedar sieht nicht besonders verärgert aus.

Ahoi, Kamel!

Stadtwanderung entlang dem Duoro

Das war ein schön langer Wandertag entlang dem Fluss Duoro. Auf der Südseite des Duoro liegt die Stadt Gaia, auf der Nordseite thront Porto. Auf den ersten Blick sind es zwei etwas ungleiche Schwestern. Die Nördliche kommt mit üppigen Plätzen, grosszügig breiten Boulevards, vielen Barock-Kirchen und moderner Architektur daher. Die Südliche zeigt zumindest am Fluss unten teils ärmlich kleine Häuser, ist aber nicht weniger gepflegt. Dort finden sich auch sämtliche Portwein-Kellereien von Rang und Namen. Eine hat ihre Tür neben der anderen. Auch Gaia – es ist die zweitgrösste Stadt im ganzen Lande – scheint es heute gut zu gehen.

Noch mehr als der Duoro die beiden Städte trennt, verbindet er sie. Die eine sähe ohne die andere nicht halb so schön aus. Jede Seite kann sich über die farbige Schönheit der anderen erfreuen. Die hin und her wandernden Krümmungen im Flusslauf, das viele Blau und Grün, und die kühnen Brücken tragen ihren Teil dazu bei. So erscheinen beide Schwestern trotz ihrer Unterschiede heute wie aus einem Guss. Beidseitig des Flusses lässt sich nicht darüber hinwegsehen, dass es viele verfallene Häuser gibt, wo heute keiner mehr arbeitet oder wohnt. Selbst diese Ruinen sehen irgendwie gepflegt aus.

Der Reichtum von Porto stammt wohl aus den Anfängen der interkontinentalen Seefahrt, vor gut 500 Jahren. Schon einige Zeit zuvor bereicherten äusserst wertvolle Gewürze aus Indien und Südostasien die bislang eher fettig-faden Speisen in den europäischen Herrscher- und Herrenhäusern. Die Portugiesen waren so mutig, mit ihren zunächst noch kleinen Schiffen weit und weiter zu segeln. Innert lediglich wenigen Jahren schaffte es Portugal als erste europäische Nation, einen Seeweg um den Afrikanischen Kontinent hin zu den ‘Gewürzinseln’ zu etablieren.

Plötzlich wurden die Gewürze in grossen Schiffsladungen direkt an diese Ecke Europas geliefert, und von hier weiter verteilt. Die Gewinne waren riesig, weil mit den Schiffen die lange und kostspielige Händlerkette auf dem bisherigen nahöstlichen Landweg umgangen werden konnte. Es war wohl der Beginn der wirtschaftlichen Blütezeit Portugals. Auch heute ist dies in der Anordnung der Stadt Porto noch eindrücklich sichtbar.

Unser Spaziergang führte uns von der Marina in der Nähe der Flussmündung im warmen Schatten der Morgensonne nach Gaia. Dort nahmen wir die Gondelbahn hoch zur Brücke, und genossen atemberaubende Ausblicke auf das Leben am Fluss und in den beiden Städten. Mit der Metro fuhren wir über die Brücke und ins Zentrum von Porto, und von da ging es mit vielen Schlenkern wieder in Richtung der Flussmündung. Eine kleine Fähre brachte uns zurück zum Fischerdorf neben der Marina, wo wir schon von weitem vom speziellen Geruch der Holzkohlegrills empfangen wurden.

Wir hatten das Glück oder Pech, dass ausgerechnet am Tage unserer Wanderung die Trainings und Showflüge für das RedBull Air Race über dem Duoro stattfinden sollten. Im Fluss waren grosse Pylonen aufgestellt, wo kleine Sportflugzeuge mit grossem Lärm und angeblich bis zu 400 km/h schnell hindurch donnerten. “Die haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank”, meinte einer, und wir meinen, dass er wohl recht hat.

Bei dem Slalom um die Pylonen stehen die Flugzeuge vertikal in der Luft. Jedes mal wenn einer am Ende der Pylonengasse ankam (und jeder kam heil an), setzte er zum Looping an, um hernach durch die gleichen Pylonen zurück zu jagen. Nun fand das alles nicht hoch am Himmel statt, sondern eben direkt über dem Wasser, zwischen den Häuserzeilen beiderseits am Flussufer. Es war ein Heidenspektakel mit viel Lärm, Rauch, Musik und Volk. Getrunken musste natürlich auch werden, denn es war ja schön warm. Alles war von den Veranstaltern und den beiden Städten perfekt organisiert. An allen neuralgischen Punkten standen Polizei, Feuerwehr und Ambulanzen bereit. An den LKW-Sperren auf allen Zufahrten zum langgezogenen Festgelände am Flussufer hat man auch sonstige Zeichen der Zeit erkannt.

Porto zusammen mit Gaia gehören sicherlich zu den schönsten Städten Europas. Die wenigen Stunden und ein völlig unvollständiger Einblick haben schon gereicht, um uns ins Schwärmen zu bringen!

Nachtkonzert

Dieses Konzert hat sich fast ohne unser Zutun vorbereitet, und es kam schöner als gedacht. Eigentlich wollten wir von Brighton in den Solent segeln, in eines der wichtigen Segelsport-Zentren der Welt. Eine Nebenbemerkung eines anderen Seglers brachte uns jedoch auf die Idee einer neuerlichen Nachfahrt. Es wäre eine gute Vorbereitung für die Biskaya! Schliesslich waren wir 28 Stunden unterwegs, und haben dabei 171 nautische Meilen (316km) zurückgelegt, mit wunderschöner Nachtmusik:

Zum Einstieg stelle man sich also einen zu wundervollen, Ende gehenden Segeltag mit 4-5 Windstärken vor (mittlerweile schätzen wir dies, und die mühsame Nordseewelle liegt ja auch schon weit zurück). Die erste auf See gekochte Mahlzeit war genossen, die Schlafplätze für diese spezielle Nacht sind verteilt, die Seekarten für das bevorstehende Gebiet liegen bereit, ebenso wie die Kappe für den kurzhaarigen der Nachtwache. Die Kiddies gehen spät nach Sonnenuntergang ins Bett. Die abziehende Wolkendecke lässt die See platinfarben schimmern, und die Nacht ist bereit.

Es dunkelt. Der Chor findet sich zusammen, und stimmt sich ein. Nach Mitternacht geht es richtig zur Sache. Der stabile Nordwester bildet die solide instrumentale Grundlage, und sorgt zusammen mit den 6-stündlich wechselnden Gezeitenströmen für ordentlich Zug und Druck.

Da zeichnen die Bassisten auch schon den allerschönsten Sternenhimmel. Ungetrübt steht Cassiopeia hoch, und der grosse Wagen zieht langsam seiner Bahn. Grazil zeichnen Millionen kleinster Punkte den Milky Way in die Ewigkeit.

Da kommt der hohe Sopran mit einem nicht enden wollenden Wunderspiel daher. Mit jeder Bugwelle, die der schnell gleitende Rumpf in die See zurückwirft, werden Hände voll glitzernder Perlen in die nachtschwarze See geworfen. Sie leuchten kurz nach, und dann kommt ja schon der nächste leuchtende Perlenwurf.

Die Nacht ist dunkel, aber nordsommerlich kurz. Während der Tenor das Licht des Tages und die rot-gelb wärmende Morgensonne bringt, zeichnet der Bass die ersten Umrisse des Landes an den Horizont.

Und da tritt endlich der elegante Alt aus dem Hintergrund hervor: Yuana und ihre kleine Crew findet sich mitten in einer Delfinschule wieder. Ein kleiner Delfin ist stets neben einem grösseren. Es sind wohl eine Mutter und ihr Delfinkalb. Immer wieder springen die Delfine aus dem Wasser. Sie bestimmen den wundersam intonierten Schlussakkord.

Das Konzert ist vorbei, und das erste verschlafene Kinderaugenpaar schaut ins Cockpit: “Ich han Hunger!”

Mit dem abendlichen Glockengeläut aus dem südenglischen Plymouth, und besten Grüssen an meine Hombrechtiker Chorfreunde und -freundinnen!

PS: Baritone gab es ich diesem Konzert glücklicherweise nicht. Wie ihr ja wisst ist das nicht so mein Ding.

PPS: Das Meeresleuchten war mir bis zu meinem ersten Nacht-Törn in der Nordsee vor drei Jahren gänzlich unbekannt. Unter Einfluss von schnellen Wasserbewegungen fangen lumineszierende Mikroorganismen an, grünlich hell zu leuchten. Man kann dies übrigens auch am Strand sehen, wenn Wellen mit solchen Organismen brechen.