Tag 5 & 6 – Fliegende Fische

Als Kind dachte ich, dass fliegende Fische ins Reich von Peter Pan und 1001 Nacht gehören. Die Kombination von Fliegen und Schwimmen wollte einfach nicht so recht zusammenpassen. Kann sich jemand ernsthaft vorstellen, dass entweder ein U-Boot fliegen oder ein Flugzeug nach Belieben abtauchen kann? Das waren so meine Gedanken als kleiner Knirps, während die anderen Jungs sich auf dem Gras mit viel Körpereinsatz um einen Ball gestritten hatten, haha.

Nun habe ich die fliegenden Fische mit eigenen Augen gesehen, und beobachte folgendes: Es ist nicht etwa so, dass sie aus dem Wasser springen, um nach einigen segelnd zurückgelegten Metern zurück ins Wasser zu platschen. Nein, sie fliegen aktiv, und zwar mehr als 50 Meter weit. Sie passen ihre Flugbahn den Wellen an. Sie fliegen mit geschätzten 10 Metern pro Sekunde und sind dabei über einen Meter über der Wasseroberfläche. Sie können keine engen Kurven fliegen. Um zu steuern und müssen sie sich in die Kurve legen.

Der Flug sieht schnittig und grazil aus. Würde man diese unglaublichen Tierchen mit einem kleinen Sportflugzeug à la Breitling vergleichen, so wäre eine ordentliche Nordseemöve dagegen bereits ein Airbus A380. Natürlich muss man bei diesem zugegebenermassen sonderbaren Vergleich bedenken, dass der Breitling nach einem Taucher bei aller Wendigkeit nicht mehr selber in die Luft kommt. Da die fliegenden Fische nebst der eingeschränkten Lenkfähigkeit offensichtlich nachts nicht sonderlich gut sehen können, muss man morgens jeweils eine Hand voll Kadaver vom Deck über Bord befördern.

Wenn es anstatt der tausenden von fliegenden Fischen nur etwas mehr Thunfische, Goldmakrelen, Delfine und Wale gäbe! Mit dem Fischen und Fish Watching waren wir nicht besonders glücklich auf dieser Tour. Den andern Schiffen ist es auch nicht viel anders ergangen.

Dafür war schön, dass wir uns täglich um 10 Uhr über Funk mit der Crew von A Capella of Belfast unterhalten haben. Man fragt gegenseitig, wie die letzte Nacht war, wer welche Schiffe aus unserer Rally um sich herum hat, oder bespricht technische Themen. Zunächst schien mir das etwas belanglos, aber immer wieder kommt man so an brauchbare Informationen heran. Bei uns an Bord haben stets alle gespannt mitgehört, was auf dem anderen Schiff gerade läuft. Die Funkrunde hat schnell einen festen Platz im Tagesablauf eingenommen.

Besonders luxuriös fanden wir das Körpergefühl nach dem Duschen. Das Duschen selbst ist wegen der Wellen eine mühsame Angelegenheit. Daher und auch wegen dem Wasserverbrauch gönnt man sich keine tägliche Dusche. Wenn man jedoch geduscht hat und getrocknet ist, dann stellt sich ein normalerweise unerkannt flauschiges Hautgefühl ein, angeblich auch bei den weniger behaarten Frauen ;-). Das kommt wohl daher, dass endlich mal wieder die salzige Schmiere von der Haut weg ist, welche Feuchtigkeit bindet.

Nun sind wir nach exakt sechs Tagen Fahrzeit in Mindelo ankommen. Weil wir volle sechs Tage und nicht nur fünf Tage auf São V bleiben wollen, haben wir in den letzten drei flauen Nächten mit dem Diesel etwas nachgeholfen, wie einige andere auch. Seglerisch waren Yuana und wir ein ganz tolles Team. Wir freuen uns alle, dass Jeanette auch dabei ist, wenn wir am 23. November nach Barbados aufbrechen! Genauso freuen wir uns auch auf ein sechstes Crew-Mitglied, welches in den nächsten Tagen in Mindelo zu uns stossen wird.

Etmale:

6. Tag: 146nm

5. Tag: 150nm

4. Tag: 150nm

3. Tag: 148nm

2. Tag: 126nm

1. Tag: 134nm

Total:

– Santa Cruz de Tenerife nach Mindelo:854nm (1582km)

– Makkum (NL) nach Mindelo: 3265nm (6047km)

Jetzt kommts richtig übel

Eigentlich wollten die Jungs mit dem Beiboot Dorie für eine kreative Mathestunde an Land übersetzen. Der Plan war, eine kleine Wanderung zu machen, schöne Fotos zu schiessen, und spielerisch das Einmaleins zu vertiefen.

Papa’s Schritt von Yuana zu Dorie erweist sich jedoch als fatal. Irgendwie haut Dorie ab, und Markus landet im Wasser. Das wäre kein Problem, hätte ich Handy und die neue Fotokamera wie sonst immer in den wasserdichten Beutel gepackt hätte. Um es kurz zu machen: Die neue Kamera zuckt noch einige Sekunden, das iPhone ist sofort tot.

Das Schlimmste ist, dass Markus in den frühen Morgenstunden auf dem Handy noch zwei Artikel für den Blog geschrieben hat. Diese sind nun im Salzwasser ersäuft worden. Weil es hier in der Bucht kein Mobilfunk gibt, wurden von den neuesten Daten noch keine Sicherung erstellt.

Was ich mir zuvor nicht vorstellen konnte ist, wie sehr der Verlust des iPhones schmerzt. Brutal erkenne den nächsten Schritt der Evolution: du brauchst ein iPhone dringlicher als ein schönes Auto. Du nimmst dafür sogar in Kauf, kurzsichtig zu werden. Die meisten werden nun wohl entweder lachen oder den Kopf schütteln. Bitte bedenke:

Ich kann nun
– Nicht mehr aufschreiben, sobald mir eine coole Idee für den Blog kommt
– Keine Schnappschüsse mehr machen
– Nicht mehr mit Familie und Freunden e-mailen
– Nicht sehen, wo sich unsere befreundeten Schiffe befinden
– Unsere Seglerfreunde nicht über WhatsApp kontaktieren
– Nicht mehr auf unsere Satellitenanlage zugreifen
– Keine Wetterberichte einholen
– Kein Auto mieten und keine Strassenkarten nutzen
– Kein Wikipedia-offline nutzen
– Keine Bankzahlungen tätigen
– Weder NZZ noch Bluewin lesen
– Telefonieren geht nicht, und Musik hören auch nicht
– Der Taschenrechner ist weg, die Uhr und die Taschenlampe sowieso
– Nicht nachschauen, wann unsere Crew aus Schweden eintrifft

Caramba! Versteht ihr jetzt die Dimension des Problems? Wir müssen sofort aus der schönen Bucht mit schwarzem Sand raus und nach Santa Cruz de Tenerife hinunter, damit ich mit ein neues iPhone beschaffen kann. Mal sehen, wie wir das abbuchen werden. Für Dummheit hatten wir bisher nämlich keinen Budgetposten vorgesehen.

Das Schulreisli in die Kaktusberge hat natürlich trotzdem stattgefunden. Zum Glück war der Sohn dabei, denn so konnte mir jemand den Stachel aus der Zunge ziehen, nachdem ich die Kaktusfrucht probiert hatte. Alleine hätte ich das ohne Selfie-Modus nie geschafft.

 

PS.: Auf dem Weg nach Santa Cruz telefonierte ich mit dem Sorgentelefon von Apple. Die sagten mir, dass ich nach dem Wochenende in Santa Cruz ein neues iPhone zum Preis von 351 Euro abholen könne, 50% des Ladenpreises. Das wäre ein hervorragender Service. Wir werden sehen, ob das auch klappt.

Harboring the Canaries

The last 12 hours on our way from Madeira into the Canaries were quite exhausting. We made a decent progress, in rolling waves and against the wind. Some salty drizzles went over the cockpit every now and then. The outer deck however saw a lot of sea water. Somehow, approximately 50 liters of the salty liquid ended up in the bilge, which is the deepest point INSIDE the boat.

The 50 liters itself wasn’t too much of an issue, but the fact that salt water gets into the boat is definitely unwanted. Skip this section if you are not interested in technical terms. Our cockpit and part of the deck are drained via reinforced hoses through the interior of the boat and out underneath the water line. Shorty after buying the boat I checked and fastened all of the hose clamps which secure these hoses, each one going from a hose sleeve below deck down to a valve, before going into the sea. Somehow, I must have missed one of these hose clamps, certainly the one which came loose, draining some deck water into the bilge. Item solved.

Arriving in the Canaries, we anchored in famous Francesa Bay. As many places, it has unveiled their beauty to us only after a day or two: its underwater world. The first day in the anchorage was tough again: 35 degrees Celsius at 35 knots of wind and 1 meter swell in the anchorage. Not a good anchorage on that day indeed. Anyway, we wanted to be there because it is a nature reserve and we got a special permit to be there. The good news is that our anchor held rock solid, but two anchor retention lines (the lines taking the load off the anchor winch) broke due to the heavy rocking of the boat.

Two days later and in the port of totally dry island of Graciosa, we found ourselves in a very little village, all houses painted white, with sandy lanes in between. There were only two hands full of cars for the entire village. A horse wagon on a restaurant roof reminded of the old days. During the weekend, the place was looking like a neat hippy village, with dreadlocks men and women trying to make some bucks with selling nice hand craft. Customers however seemed to be not too many.

On Graciosa and a week later on Lanzarote, we got more of the volcano stuff all over the place. In the cactus gardens we learned that the saying ‘hard shell soft core’ really can also be the other way round: some of the huge cactus were cut back. There we spotted that those cactus have a core hard as wood, packed into a relatively soft shell. Then there was the camel ride. We not only rode these fantastic animals, we also took a deep look into their eyes: most of them seamed to be good-natured. But there was one really mean looking chap, perfectly prepared for the Horror Rocky Camel Show.

More animals? Yes. When kissing our friends from yacht Tomskii Kastan goodbye, Markus learned that his beard apparently felt like a hedgehog. Too much hair in the face… At least she didn’t call me a porcupine, haha. We enjoyed great times with the Tomskii’s, certainly enough wine, great beach barbecues, and our kids learned how to carve dragons out of cucumbers. Thank you, dear friends, and see you again!

From Lanzarote we did an overnight sail to Tenerife. A teenage Mahi-Mahi of 80cm was on our hook. The colors were beautifully green and gold, until it died. Then the color suddenly changed to grayish silver, as most fish would look like. Tenerife will be the place where we conclude our preparations for the crossing of the Atlantic Ocean. A separate post about the preps will follow.

Something nice to close this season review? Yes of course: If Markus shall recommend a place in the Canaries, it will be the restaurant http://www.cantinateguise.com for an overwhelming burger with truffel sauce, and for the hot pants as well.