Ab in die Kapverden!

Es ist der 11. November 2017 und der Tag, an dem unser transatlantisches Segelabenteuer startet. Es ist auch der Tag, an welchen P&K zu Hause ihren 45. Hochzeitstag feiern. Herzlichen medialen Glückwunsch!

Seit drei Tagen ist Jeanette aus Schweden bei uns an Bord, und sie hat uns bei der Erledigung der letzten Pendenzen super mitgeholfen.

Jeanette hat für uns die Grab Bag gepackt. Das ist die Tasche, in welche man alle Dinge steckt, welche man im unwahrscheinlichen Falle eines Schiffsverlustes auf See mit auf die Rettungsinsel nimmt. Darin befinden sich z.B. auch die Reisepässe, Signalraketen und eine Sicherungskopie der elektronischen Daten. Jeanette hat die wichtige Rolle, diese Grab Bag im Falle des Falles mit auf die Rettungsinsel zu nehmen.

Manuela hat gehaushaltet wie verrückt, alle Textilien nochmal gewaschen, und zwei Zentner an Lebensmitteln gekauft und eingeräumt. Zum Glück sind darunter auch viele Flaschen Wein, welche hier gut und günstig und in der Karibik sehr teuer sind. Nicht zuletzt hat Manuela einige Mahlzeiten vorgekocht, so dass wir die ersten Tage auf See nur möglichst wenig Zeit unter Deck in der Küche verbringen müssen. Ausser den Vorräten in der Küche wurden natürlich auch Wasser, Diesel und Gas gebunkert.

Markus hat derweil nochmals die ganze Technik an Bord durchgecheckt. Die bisher nicht immer zuverlässige Satellitenkommunikation wurde neu aufgesetzt. Die Crew hat eine tiefgehende Sicherheitseinweisung erhalten. Beim Skippers-Briefing wurden Aus- und Einreiseformalitäten besprochen, und es wurde auch nochmals auf die Risiken der schnell wechselnden Winde im Südosten von Teneriffa aufmerksam gemacht. Diese Winde sind unkritisch wenn man sich der Situation bewusst ist. Wir werden das bereits vor dem Eindunkeln heute bewältigt haben.

Die Kinder haben die Signalflaggen zusammengeknüpft und das Schiff ‚über Topp‘ beflaggt, siehe Bild. Unter den vielen anderen Kiddies im Hafen haben sie schon liebe Freunde und Freundinnen gewonnen. Besonders toll ist, dass beide anfangen, mit ihren neuen Kollegen ihre Englischkenntnisse einzusetzen!

Wir sind nicht alleine unterwegs. Von Teneriffa zu den Kapverden werden wir in einer Gruppe von acht Schiffen segeln. Etwa sechs Tage wird die Überfahrt dauern. Während dem Zwischenstopp in Mindelo stossen 17 Schiffe zu uns, welche schon vor zwei Woche in Teneriffa gestartet sind und seither in den Kapverden gesegelt waren.

Diese Gruppierungen kommen daher, dass wir uns bei Cornell Sailing angeschlossen haben. Das ist ein Veranstalter für Touren auf dem Meer, so wie man andernorts Bergtouren buchen kann. Auf See ist man relativ alleine unterwegs. Jedoch haben sich einige Crews schon vor Monaten in Spanien oder Portugal kennengelernt. Hier auf Teneriffa haben wir mit der Hilfe des in der Seglerszene berühmten Jimmy Cornell und seinem Team diverse sicherheitsrelevanten Themen abgehakt. Sodann haben wir uns mit allen Crews bekannt gemacht und zusammen viel Spass gehabt. Es ist wichtig, sich zu kennen, denn wer sich kennt, der hilft sich auf See, so gut es geht.

Die Nachttemperatur ist in den letzten Tagen unter 20 Grad gefallen. Es wird also Zeit, dass wir weiter ziehen, diesmal gut 10 Breitengrade Süd. In den letzten Monaten haben wir viel Vertrauen in unser Schiff gewonnen. Das ist sehr wichtig, um beruhigt und zuversichtlich in See stechen zu können. Das Schiff ist nun bereit für den nächsten grossen Sprung. Der Skipper und seine Crew sind es auch. Die Seewetterbedingungen für die kommende Woche sind normal bis optimal.

Man kann im unten stehenden Link unsere aktuelle Position einsehen. Unsere Ralley ist keine Regatta, und unsere Yuana nicht die längste im Feld (aber selbstverständlich die Beste). Daher werden wir bei weitem nicht zuvorderst fahren.

Während der Fahrt auf die Kapverden versuchen wir, täglich ein kurzes Updates posten.

Auf dem Bild sieht man übrigens unser Schiff beim Auslaufen aus dem Hafen von Santa Cruz de Tenerife.

https://cornellsailing.com/sail-the-odyssey/atlantic-odyssey/ao-2017/track-the-boats/

Foto: von S/Y KISU, besten Dank!!

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Getting ready, with new crew

So this is Jeanette, writing my first blog post for Yuana, as I will join as crew form the Canaries via Cap Verde to the Caribbean. As I got here ‪Tuesday night‬ there was a really some thunder and lightning, not really what I expected! But it turned out I arrived the perfect night as I walked right into the potluck dinner. So before even leaving my bags on the boat I got to meet everybody, having dinner and some wine, feeling very welcomed from the first minute. Some people you feel comfortable with just from the start, that is exactly how it felt for my meeting the Yuana’s, everybody was super-friendy! Altough understanding the Schwiitzerdütsch was a little more complicated than I thought before…

It seemed getting here four days in advanced was a lot of time, but we have really been busy since. Lots of small things to fix and get in order and evening getting by with dinners together with the crew of other boats. Also yesterday there was a guided day tour to the Teide volcano that we all took. After we were just in time for the seminar with Jimmy Cornell talking about tactics for the crossing. Today me and Manuela went for the big food shopping, imagine almost two hour in a grocery store! But fortunately they bring all your food all the way to the dock for you, very nice service. So we could rush on to the farewell party at the yacht club, which was really nice arranged. Now we just finished stuffing everything in its place and hopefully tomorrow we will have a bit of rest until we set off, which should be around lunchtime. I think by now we all look forward to set off for Cap Verde!

Karibische Reisepläne nach dem Sturm

Im September 2017 trafen die gewaltigen tropischen Wirbelstürme Irma und Maria auf die Kleinen Antillen. Sie hinterliessen teils überaus verwüstete Inseln, viel zu viel Not und Leiden lokaler Bevölkerungen, und verunsicherte Crews auf vielen Fahrtenyachten. Ein signifikanter Teil der Inseln auf unserer karibischen Reiseroute von Barbados über Grenada in die Britischen Jungferninseln war und ist davon betroffen.

Auch wenn für uns der Weg das Ziel ist, so wollen wir primär in die Karibik, und nicht primär über den Atlantik. Daher stellte sich für uns die ernsthafte Frage, wie viel Sinn die weite Reise über den Atlantik macht. Also versuchten wir anhand einer dünnen Faktenlage, uns eine Übersicht zu verschaffen. Hier ist unsere laienhafte Auslegeordnung in vier Teilen:

 

A) Verlängerung der Sturmsaison?

Die Sturmsaison in der Karibik dauert normalerweise von Juni bis November. Die Stürme bilden sich in den Kapverden, und ziehen dann über den Atlantik. Meist drehen sie nach Norden ab, bevor sie auf die Kleinen Antillen treffen, und lösen sich auf. Sehr starke Stürme bilden sich, wenn das Meerwasser besonders warm ist. Sie laufen länger und treffen eher auf Land. Wenn im Herbst die Sonne weiter südlich steht, nimmt die Wassertemperatur ab, und das Risiko grosser Wirbelstürme sinkt stark ab.

Im letzten Jahrzehnt lag die Anzahl sehr starker Stürme in der Karibik deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Häufung im Jahre 2017 geht auf eine aktuell hohe Meerwassertemperatur zurück. Man muss kein Wetterfrosch sein um zu verstehen, dass die Meerwasserabkühlung länger dauert, wenn das Wasser wärmer ist. Ergo versteht der Laie, dass sich die Sturmsaison etwas über November hinausziehen könnte.

 

B) Etwaige Auswirkung auf unsere Atlantiküberquerung

Seit jeher planen wir, über die Kapverden in die Karibik zu segeln. Man kommt so schneller in den Passat-Windgürtel und verkürzt die eigentliche Atlantiküberquerung von drei auf zwei Wochen. Damit verringern sich die Unwägbarkeiten über das Wetter. Unsere Ankunft auf Barbados erfolgt normalerweise um den 5.-8. Dezember. Barbados liegt am unteren Ende der Hurrikan-Zugbahn. Wir haben keine Anhaltspunkte gefunden, wonach es so spät im Jahr auf Barbados einen tropischen Wirbelsturm gegeben hätte. Trotzdem wollen wir uns gedanklich einige Eventualitäten durchspielen:

Sollten zum Zeitpunkt der Abfahrt in den Kapverden deutliche Abweichungen zur üblichen Passat-Konstellation erkennbar sein, so könnten wir die Abfahrt hinauszögern.

Sollten wir unterwegs von einem sich bildenden Hurrikan überholt werden, so würden wir diesen zwei bis drei Tage im Voraus erkennen, und könnten nach Süden ausweichen.

Sollten wir sehr weit ausweichen müssen, so könnten wir Surinam oder Französisch Guyana auf dem südamerikanischen Festland anlaufen. Letzteres ist ein EU-Gebiet.

 

C) Zustand der beschädigten Inseln zum Zeitpunkt unseres Besuches

Die dortigen Völker und Vegetationen sind sich an ‘normal starke Stürme’ und das Beseitigen deren Schäden gewöhnt. Weil fast die gesamte Wirtschaft vom Tourismus abhängt ist man sehr bemüht, die Inseln bis zum Beginn der Reisesaison wieder ‘geniessbar’ zu machen. Einige der wüst getroffenen Inseln sind EU-Gebiet. Diese Inseln haben bereits weitreichende Hilfen erhalten. Einige der stark beschädigten Inseln werden wohl wieder einigermassen funktionieren, bis wir ankommen. Wie es um die zerfetzten Palmen steht, werden wir dann sehen.

 

D) Allfällige Alternativrouten

Tatsächlich wird es wohl so kommen, dass wir gewisse Ziele nicht werden besuchen können. Anhand einer selbstgebastelten Karte wollten wir verstehen, wie viele der bisherigen Ziele möglicherweise ausfallen müssen, und wie sinnvolle Ersatzziele heissen könnten. Dabei war zu berücksichtigen, welche Routen zu den jeweiligen Jahreszeiten bzw Windrichtungen überhaupt gesegelt werden können. Zum Beispiel wäre es sehr mühsam, jetzt gegen den Wind ins Mittelmeer segeln zu wollen.

Mehr als ein Duzend Reisevarianten standen plötzlich zur Disposition. Die kürzeste Extremvariante war, den Winter in den Kanaren zu verbringen, um im Frühling über die Azoren nach Kontinental-Europa zurückzukehren. Dabei hätten wir von der Karibik abgelassen. Die längste Extremvariante war, nach einem Kurzbesuch im Süden der Karibik in Richtung Panamakanal weiterzusegeln, um schliesslich die Nordamerikanische Westküste zu erkunden. Wir hätten das Schiff dabei im Sommer 2018 in San Francisco, Seattle oder Vancouver verkauft. Zu diesen und anderen Varianten gibt die Karte im Titelbild Aufschluss. Natürlich ist das eine Momentaufnahme, welche sich – hoffentlich zum Besseren – ändern wird.

 

Zusammenfassung

Wir sind überzeugt, dass wir den Atlantik zur Passatwindzeit werden sicher überqueren können. Sodann werden wir länger als geplant auf Barbados, Grenada und Sanct Vincent and the Grenadines bleiben. Bis wir zu den nördlichen Inseln vorstossen, sollte ein Teil der Schäden behoben sein.

Einige Inseln wie Dominica oder Barbuda werden wir wohl nicht besuchen. Vielleicht werden wir sogar die Jungferninseln nicht anlaufen. In diesem Falle kann unsere Rückfahrt auch ab Antigua direkt auf die Azoren erfolgen. Den ‘Umweg’ über die Bermudas würden wir uns dabei sparen.

Die beiden Stürme haben uns geholfen, unsere karibischen Reisepläne weiter zu konkretisieren. Ein Verzicht auf unser karibisches Abenteuer und die zweimalige Atlantiküberquerung scheint zum aktuellen Zeitpunkt nicht angebracht zu sein. Diese Einschätzung werden wir zu gegebener Zeit natürlich wieder überprüfen. Wir halten uns alle Option offen und werden jedenfalls kein Wagnis eingehen wollen.

We love the Netherlands…

… also because the Netherlanders are so unconventional!

It has been just about two years when our lives started to be enriched by the Netherlanders and their culture. The positive precipitation actually starts when entering the country on the highway. Coming from the Autobahn, speeds are lowered to 130 km/h which makes the going more relaxed, cruising style. Roads are maintained very well, and when you pull over for gas and a coffee, the bill is pragmatically rounded up or down to the next 5 cents.

When we bought the yacht in 2015, everybody involved in the buying process was uncomplicated, competent, and helpful. The previous owners of Yuana were there for us with all kinds of valuable advice. Particularly for us as first time yacht owner, this helped greatly with understanding and continuing the good maintenance concept for our new boat.

Finding our ways to the various workshops for any kind of yacht parts or repair was an experience for itself. Gerold form the stainless steel shop came up with the idea how to stabilize the new anchor. Roland the wood-man proposed an simpler way for some teak deck maintenance. The sailmakers tailored nice the lee clothes for our berth. It didn’t take more than 5 minutes for Marco to come forward with a genius plan where on the boat to install all watermaker components. And Ronald and his team installed the new navigation electronics and maintained everything, anti-fouled and polished the hull, and did all the winterizing for us. Everybody was there with instant and useful advice. Business was generally easy and fun at same time.

NL is a thoroughly big boating nation. It was once said that many Netherlanders would own more boats than cars in their lives. Yachting is common for many families and there is rarely any Marina which doesn’t offer at least one large playground for the kids! What I however did not understand initially was why I couldn’t find a yachting wholesaler in the greater Makkum area, such as one of the dominating chains in Germany. It simply doesn’t exist there. Why not?

One day and on the search for some little instrument lighting bulb, I steered into the local chandler, a marine equipment and clothing store. The building was only 6 meters wide, at most. Many old village houses are narrower anyway, but at least three times longer. There was Anko behind the counter, the owner and master over an incredible number of 5000 articles. Every corner of the store is packed with all kinds of stuff. Anko knows exactly what is present within the limits of the shop walls. But sometimes, he needs a minute or two to dig for a particular part. Prices are on the green side, and: “Why the hack would someone require a wholesaler?” Finally, this became my most favorite shop in Makkum, just after the coffee place next door.

You don’t have to go to coffee place until youu find out that the Netherlanders are charming and full of unconventional ideas. Most important, they are also willing to go the unconventional way. Most obviously, one can spot a variety of architectural highlights along the roads. My most favorite sample for unconventional Netherlanders however is the unambiguously clear indication for the chance of relive – the oversized pictographs on the wall of the toilet building at Makkum beach.

This is the view of a newcomer to yachting with specific topics to be solved. There are many other things in the Netherlands which we like a lot, such as pittoresk old town harbors, the colorful tulip fields, and the low prices in the Jumbo supermarkets and small bills at the end of a rich dinner ;-).

Wir sind bald soweit…!

Wir sind mit einem vollgepackten Auto in die Ferien gefahren, und mit einem leeren Auto zurückgekommen. Das ist ein durchaus gutes Zeichen, denn in der Zwischenzeit haben wir einen Teil unseres Haushalt vom Auto auf das Schiff umgeladen.

Der gassparende Dampfkocher hat nun genauso seinen Platz an Bord gefunden wie die Gitarre (sie fliegt bei weiterem Nicht-Gebrauch als erstes über Bord ;-)). Die Reiselektüre ist in den Regalen eingereiht, und diverse Schränke und Ablagen wurden ausgeräumt und praktischer bepackt. Jedes Kind hat seien Spielschrank, und auch für die Schulsachen gibt es einen festen Platz.

Yuana hat in den Frühlingsferien auch einige wesentlichen Verbesserungen erfahren, zum Beispiel auch was den Stromverbrauch betrifft: Die neue LED Beleuchtung innen und aussen spart gegenüber vorher mehr als 90% Energie. Dank der zusätzlichen Isolierung des Kühlschranks springt der Kompressor weniger häufig an. Geschirr spülen geht nun mit einer Fusspumpe für Meerwasser. Letzteres spart gleich doppelt Strom: es muss weniger Meerwasser entsalzt werden, und die Fusspumpe geht eben ‘per pedes’.

Jan-the-Rigger war an Bord. Er hat die Wantenspannung geprüft und perfekt eingestellt. Genauso wie bei einem Velorad die Speichen richtig angezogen werden müssen damit das Rad stabil ist und rund läuft, so müssen bei einem Segelschiff die Wanten richtig gespannt sein, damit der Mast fest und sicher steht.

Weitere Neuerungen sind der neu eingebaute Wassermacher für die Herstellung des kostbaren Trinkwassers. Ein neues Alarmsystem informiert uns ggf über einen Wassereinbruch, bevor es nasse Füsse gibt. Ein Seilschneider an der Antriebswelle soll verhindern, dass ein Tau oder Netz in der Schiffsschraube den Motor abwürgt. Wie immer passiert sowas natürlich im dümmsten Moment, zB bei einem Hafenmanöver bei viel Wind. Am Bug wurde von einem Edelstahlbauer eine neue Halterung für den neuen Anker angeschweisst. Die Ankerrolle ist nun grösser und weiter vorne. Dadurch schlägt der Anker beim Einholen nicht gegen den Schiffsrumpf. Diese und weiter Arbeiten sind Bestandteil unserer Vorbereitung für die grosse Reise. Nun ist fast alles fertig.

Die seglerische Vorbereitung auf dem Wasser kam diesmal leider zu kurz. Das Frühlingswetter in Holland mit allerlei nass-kalten Zutaten war zu bescheiden, um mehrere Tage auszufahren. Das hätte einfach keinen Spass gemacht. Ursprünglich geplant war, in der zweiten Ferienwoche durchs IJsselmeer nach Amsterdam zu fahren, und aussen herum durch die Nordsee zurück zu segeln. So waren wir lediglich kurz auf dem IJsselmeer. So haben wir immerhin einen kleinen seglerischen Saisonauftakt abhalten können. Dank dem miesen Wetter sind die Arbeiten am Schiff nun weiter als geplant. Bald gehts los, und darauf freuen uns riesig!

Wie schön unvorhersehbar das Leben ist…

Seit 19 Jahren sind Manuela und Markus zusammen. Unmöglich hätten wir an diesem Tag im Jahre 1998 ahnen können, dass Markus genau 19 Jahre später seine zweite Stelle kündigen würde, um mit seiner 4-köpfige Familie auf eine Segelyacht zu ziehen. Meine Güte, wie herrlich unvorhersehbar das Leben auch heute noch ist…! Man wage nicht, die Zukunft zu erahnen, denn sie hat wohl noch ein paar weitere Überraschungen parat!

Marktgeschichten

Über Wochen hatten wir unser Haus entrümpelt. Schliesslich hat sich in der Waschküche einen Berg von vollgestopften Kisten angesammelt, von dem nicht klar war, ob dieser im VW Bulli Platz finden würde. Es müssen wohl 600-800 Dinge gewesen sein, welche wir zum Verkaufen an den Basler Flohmarkt geschleppt haben! Der grenznahe Basler Markt ist angeblich der dynamischste, wenn man buchstäblich alles mögliche aus den Haushalt loswerden will.

Wir hatten gerade erst mit dem Aufbau unseres Standes begonnen, da durchsuchten schon die Schnäppchenjäger unsere Sachen. Sie waren auf Schmuck und Kinderelektronik aus. Schliesslich ging ein reger Handel los. Bei uns hat fast alles 2 oder 3 Franken gekostet, ein paar Sachen auch mehr. Der Speckstein-Elefant aus Indien ging für 15 Franken an einen gepflegten älteren Herrn, der lange in Afrika lebte und Fernweh verspürte. Einem anderer Herrn war das edle Tropenholz des Humidors 12 Franken wert. Dass das Holz mit einem milchig gewordenen Lack überzogen war, hat ihn auch nach mehrminütiger Betrachtung nicht gestört. Wahrscheinlich hat er die Zeit, um wieder ein richtig schönes Schmuckstück daraus zu machen.

Küchenutensilien gingen überhaupt nicht. Zeit, diese Sachen wieder zu verpacken und anderen Kram feilzubieten. Einem grimmig dreinschauenden Mann hat der Picknick-Rucksack gefallen, und ein französisches Ehepaar hat viel Spielzeug für die Enkel gekauft. Unsere CDs für 1 Franken hat man wohl kurze Zeit später an den CD Ständen für 5 Stutz kaufen können.

Überraschend war, dass alle gebrauchten Schuhe schnell weg waren. Für die Kiste mit den Dutzenden von Adapterkabeln hat sich jedoch niemand interessiert. Wie aus dem Hut gezaubert kamen plötzlich mehrere Damen, welche Foulare kauften. Davor und danach fand niemand ein Auge dafür. Acht Krawatten gingen nach genauester Inspektion ‘en gros’ für 7 Fr weg.

Ein Student wollte wissen, ob der gelbe Kinder-Gumpiball mit Hörnern zum Festhalten sein Gewicht aushalten würde. Keine Ahnung, der sei für Kinder ausgelegt. Ja, das habe er sich schon gedacht. Er ginge heute eine Party, und das Motto sei Kinderspielzeug… Er hat den Ball für 5 Franken genommen.

Auch die vielen Bücher wurden rege durchsucht. Gekauft wurden jedoch kaum welche. Eine sehr feine ältere Dame fand dann doch noch Gefallen an den vielen Nora Roberts Bücher. Ich habe ihr angeboten, dass Sie für nur 5 Franken so viele Bücher nehmen könne, wie Sie tragen kann. Ein guter Deal, oder? Da hat sie mich freundlich angelächelt: Sie sei 93 und könne nur eines tragen. Dann hat Sie aber doch zwei gekauft, und Julia für das eilends gemalte Lesezeichen noch einen Franken gegeben.

Unsere Kleiderständern und -kisten haben vor allem bei Südost-EuropäerInnen (und südöstlich davon) Anklang gefunden. Bei den Klamotten hat man übrigens schnell gesehen, wer aus welcher Kinderstube kommt:

Ein schwarzhaariger Herr hat in königlicher Manier und sehr bedächtig einen Blazer von mir anprobiert, und dann lange seine Wampe angeschaut. Es war einfach zu wenig Stoff da. Beim zweiten Blazer war es genau dasselbe Problem. Als er den dritten anprobieren wollte hab ich ihm gesagt, dass alle von mir seien und daher die gleiche Grösse haben. Er war überrascht und enttäuscht zugleich.

Die Damen- und Kinderkleiderkisten sind bei den Kopftuch-Frauen auf reges Interesse gestossen. Die einen haben schön sorgfältig durchgesehen, die anderen regelrecht gewühlt.

Die Südosteuropäer (und südöstlich davon ;-)) sind übrigens auch mit Abstand am besten im Preise drücken. Mit guter Mimik und Humor schaffen sie es, sehr viel für sehr wenig einzukaufen. Vor Marktschluss ging es dann auch für uns mehrheitlich darum, nur noch möglichst wenig zurück nach Hause nehmen zu müssen. In dieser Situation gingen dann doch noch zwei Blazer weg: für Fr. 1.50 beide zusammen;-)!

Wie ist der Markt für uns gelaufen? Wir haben etwa 40% aller Artikel verkauft. Weitere 40% gingen in der darauffolgenden Woche ins Brockenhaus oder die Kleidersammlung. Der monetäre Erfolg hat gerade die Kosten für den Markt, das Auto, das sauteure Parkhaus, die Zwischenverpflegungen und das leckere Pizzaessen am Abend gedeckt. So kam es zu einer schwarzen Null, und zu einem Markterlebnis, das wir nicht missen möchten!