Schule an Bord

Wie die Klassenkameraden zu Hause sind auch unsere Schüler an Bord in das neue Schuljahr gestartet. Die ersten zwei Wochen in der 2. und 4. Klasse sind ‘so-weit-so-gut’ bestanden. Und vorneweg: Die hohe Achtung von Herrn und Frau Anders (unsere demokratisch gewählten Lehrernamen) für die LehrerInnen an unserem Wohnort hat sich weiter erhöht!

Gewisse Dinge sind in unserer Schule natürlich etwas anders als zu Hause. So ist zum Beispiel der Schulweg ultrakurz. Wir gleichen das mit Gymnastikübungen aus. In den Pausen ist das Schulzimmer tabu: Die Kids müssen raus. Dafür musste ein improvisierter Pausenkiosk her.

Der Enthusiasmus unserer Schüler ist immer noch hoch, wenn auch nicht mehr so wie am ersten Tag. Das war nicht anders zu erwarten. Zuweilen erziehen die Schüler die Lehrer, nämlich dann wenn die Tochter auf ein Anfangs- und ein Abschlusslied für unsere Schulmorgen besteht.

Ja, Herr und Frau Anders wachsen langsam in ihre neuen Lehrerrollen. Jeweils am Ende einer Schulwoche führen wir eine Lehrpersonen-Besprechung durch. Da diskutieren wir beispielsweise, wie die konkreten Lektionen gelaufen sind. Wir wollen lernen, weshalb etwas gut war oder verbessert werden kann.

So haben wir zum Beispiel am Ende der ersten Woche den Unterrichtsmodus für Mathe und Deutsch geändert. Nun bekommen der Schüler und die Schülerin einen eigenen Lehrer für diese Lektionen. Zu unterschiedlich waren der Stoff und die individuellen Anforderungen, als dass ein nicht geübter Lehrer zeitgleich beide Klassen hätte unterrichten können. In der Retrospektive ist das mehr als einleuchtend. Im Englischen hingehen macht die Zweitklässlerin für das Hörverständnis, das Sprechen und die Vokabeln den Viertklässler-Stoff mit.

Für Fächer wie Mensch und Umwelt, Zeichnen, Musik, Handarbeit, Sport und Biblische Geschichte sind wir schlichtweg in einer perfekten Umgebung. Unser Aufenthaltsort wechselt wöchentlich, manchmal sogar täglich. Damit wechseln Natur, Menschen und zuweilen die Kultur, in der wir uns befinden. Das gibt eine unglaubliche Fülle von Material für unsere Unterrichtsstunden. Dies sind auch die Lektionen, wo die Inhalte für die 2. und 4. Klasse gemeinsam gestaltet werden können. Natürlich ist der Anspruch an den Viertklässler dabei höher.

Bezahlbares Breitband Internet (zumindest in Europa) und diverse Lern- und Spiel-Apps, welche auch Offline funktionieren, tun ein übriges.

Die schönste Schullektion bisher war das Englisch heute Freitagmorgen. Der Bruder hat der Schwester eine Lektion Englisch erteilen wollen. Daraus wurden drei Lektionen, und zwar ohne Pause! Wir waren überrascht, wie der kleine Lehrer mit seiner Schülerin kompromisslos Englisch gesprochen hat, und vor allem, was er alles schon erklären kann! Andersherum vermochte die Tochter uns zu erstaunen, weil sie Fragen interpretieren konnte, die sie von der Wortbedeutung her noch nicht verstand. Vielleicht ist das normal, und wir ‘Entwachsenen’ sind einfach zu weit von der Bildung weg, als dass wir dies gewusst hätten. Beide Kids waren sehr glücklich über diesen Englisch-Unterricht, und der neue Lehrer hat Herr Anders umgehend seine Lehrtätigkeit für das Fach Englisch entzogen (dabei hatte es ihm am Vortag noch so gut gefallen…).

Es war eine schöne, schmerzliche und zugleich lehrreiche Erfahrung zu sehen, dass ein Schüler manchmal viel mehr kann, als man erwartet und ihm zutraut!

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