Stadtwanderung entlang dem Duoro

Das war ein schön langer Wandertag entlang dem Fluss Duoro. Auf der Südseite des Duoro liegt die Stadt Gaia, auf der Nordseite thront Porto. Auf den ersten Blick sind es zwei etwas ungleiche Schwestern. Die Nördliche kommt mit üppigen Plätzen, grosszügig breiten Boulevards, vielen Barock-Kirchen und moderner Architektur daher. Die Südliche zeigt zumindest am Fluss unten teils ärmlich kleine Häuser, ist aber nicht weniger gepflegt. Dort finden sich auch sämtliche Portwein-Kellereien von Rang und Namen. Eine hat ihre Tür neben der anderen. Auch Gaia – es ist die zweitgrösste Stadt im ganzen Lande – scheint es heute gut zu gehen.

Noch mehr als der Duoro die beiden Städte trennt, verbindet er sie. Die eine sähe ohne die andere nicht halb so schön aus. Jede Seite kann sich über die farbige Schönheit der anderen erfreuen. Die hin und her wandernden Krümmungen im Flusslauf, das viele Blau und Grün, und die kühnen Brücken tragen ihren Teil dazu bei. So erscheinen beide Schwestern trotz ihrer Unterschiede heute wie aus einem Guss. Beidseitig des Flusses lässt sich nicht darüber hinwegsehen, dass es viele verfallene Häuser gibt, wo heute keiner mehr arbeitet oder wohnt. Selbst diese Ruinen sehen irgendwie gepflegt aus.

Der Reichtum von Porto stammt wohl aus den Anfängen der interkontinentalen Seefahrt, vor gut 500 Jahren. Schon einige Zeit zuvor bereicherten äusserst wertvolle Gewürze aus Indien und Südostasien die bislang eher fettig-faden Speisen in den europäischen Herrscher- und Herrenhäusern. Die Portugiesen waren so mutig, mit ihren zunächst noch kleinen Schiffen weit und weiter zu segeln. Innert lediglich wenigen Jahren schaffte es Portugal als erste europäische Nation, einen Seeweg um den Afrikanischen Kontinent hin zu den ‘Gewürzinseln’ zu etablieren.

Plötzlich wurden die Gewürze in grossen Schiffsladungen direkt an diese Ecke Europas geliefert, und von hier weiter verteilt. Die Gewinne waren riesig, weil mit den Schiffen die lange und kostspielige Händlerkette auf dem bisherigen nahöstlichen Landweg umgangen werden konnte. Es war wohl der Beginn der wirtschaftlichen Blütezeit Portugals. Auch heute ist dies in der Anordnung der Stadt Porto noch eindrücklich sichtbar.

Unser Spaziergang führte uns von der Marina in der Nähe der Flussmündung im warmen Schatten der Morgensonne nach Gaia. Dort nahmen wir die Gondelbahn hoch zur Brücke, und genossen atemberaubende Ausblicke auf das Leben am Fluss und in den beiden Städten. Mit der Metro fuhren wir über die Brücke und ins Zentrum von Porto, und von da ging es mit vielen Schlenkern wieder in Richtung der Flussmündung. Eine kleine Fähre brachte uns zurück zum Fischerdorf neben der Marina, wo wir schon von weitem vom speziellen Geruch der Holzkohlegrills empfangen wurden.

Wir hatten das Glück oder Pech, dass ausgerechnet am Tage unserer Wanderung die Trainings und Showflüge für das RedBull Air Race über dem Duoro stattfinden sollten. Im Fluss waren grosse Pylonen aufgestellt, wo kleine Sportflugzeuge mit grossem Lärm und angeblich bis zu 400 km/h schnell hindurch donnerten. “Die haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank”, meinte einer, und wir meinen, dass er wohl recht hat.

Bei dem Slalom um die Pylonen stehen die Flugzeuge vertikal in der Luft. Jedes mal wenn einer am Ende der Pylonengasse ankam (und jeder kam heil an), setzte er zum Looping an, um hernach durch die gleichen Pylonen zurück zu jagen. Nun fand das alles nicht hoch am Himmel statt, sondern eben direkt über dem Wasser, zwischen den Häuserzeilen beiderseits am Flussufer. Es war ein Heidenspektakel mit viel Lärm, Rauch, Musik und Volk. Getrunken musste natürlich auch werden, denn es war ja schön warm. Alles war von den Veranstaltern und den beiden Städten perfekt organisiert. An allen neuralgischen Punkten standen Polizei, Feuerwehr und Ambulanzen bereit. An den LKW-Sperren auf allen Zufahrten zum langgezogenen Festgelände am Flussufer hat man auch sonstige Zeichen der Zeit erkannt.

Porto zusammen mit Gaia gehören sicherlich zu den schönsten Städten Europas. Die wenigen Stunden und ein völlig unvollständiger Einblick haben schon gereicht, um uns ins Schwärmen zu bringen!

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