Atlantiküberquerung Tage 3&4: Immer noch flau.

Vom Passatwind ist nach wie vor nichts in Sicht. Schon seit vier Tagen läuft der Motor fast ununterbrochen. Mit niedertourig gehaltenem Motor und aufgezogenen Segeln kommen wir auf etwa 5 Knoten Fahrt. Die einzigen Stopps sind eine kurze Windstunde und zwei Badepausen im offenen Meer. Über Funk hören wir von den anderen Schiffen, was für Riesenfische diese schon gefangen oder gesichtet haben. Eine Crew ist sich sicher, dass sie Haie gesehen haben. Wir baden mittags wenn die meisten Fische nicht fressen, und lassen die Kinder nicht alleine ins Wasser. Wäre ein einzelnes Kind im Wasser für den Hai nicht ein einfacheres Ziel als eine Gruppe von Personen? Ebenso schwimmen wir nicht von Yuana weg.

Diesel ist Trumpf: wer mehr hat kann länger, und unser Schiff hat zwei sehr grosse Tanks. Das hilft uns gut, durch diese hartnäckige Flaute zu kommen. Die Wogen sind unglaublich lang. Von Wellen kann man hier nicht mehr sprechen. Es sing buchstäblich wandernde Wasserhügel, welche über das weite Meer reisen. Je nach Windhauch und Himmelsreflektionen hat jeder dieser Wasserberge einen anderen Blauton. Wir nehmen an, dass sich die fliegenden Fische erst wieder zeigen, wenn es wieder Wellen mit einem etwas steileren Winkel haben. Erstaunt sind wir über die vielen Vögel hier draussen. Teilweise sieht man mehrere Vögel pro Stunde. Meist fliegen sie dicht über dem Wasser. Wahrscheinlich fressen sie kleine Mücken.

Am Abend des dritten Tages beissen plötzlich wieder Goldmakrelen an. Die erste ist zu klein. Die zweite und dritte sind 45cm und 60cm lang und geben zusammen ein feines Abendessen ab. Einen grösseren Fisch verlieren wir leider wieder von der Angel. Unsere Tochter muss weinen, weil wir die Fische töten. Abends beschliessen wir gemeinsam, dass wir ab sofort nur noch jeden zweiten Tag Fischen werden. Das passt nun für alle.

Mittags erhalten wir jeweils per E-Mail die Positionen der anderen Schiffe. Vorläufig scheint es, als hätten wir uns eine gute Routenstrategie zurechtgelegt. Die Schiffe, welche anfänglich weit südlich den Wind gesucht haben, liegen mehrheitlich hinter uns. Sie haben in Hoffnung auf bessere Winde teilweise beträchtliche Umwege in Kauf genommen. Es wird sich weisen müssen, ob das lohnt. Wir selbst wollen segelnd eine Reisegeschwindigkeit von 6-7 Knoten erreichen, und brauchen daher gar nicht in den besten Windgürtel hinunterzufahren. Abends laden wir jeweils die neuesten Windprognosen herunter und studieren, ob unsere Strategie zukunftsfähig ist. Gespannt warten wir auf die nächsten Positionsdaten. Unseren aktuellen Kursverlauf kann man auf dem Link zu CornellSailing sehen, welcher auf der Homepage unter dem Menupunkt We abgelegt ist.

Die Nächte sind dunkel. Der Neumond bringt kaum Licht in die Nacht.
Etwa um Mitternacht verschwindet die dunkelgelbe Sichel dort, wo einige Stunden zuvor die Sonne untergegangen war. Orion steht wie immer. Sternschnuppen flirren durch die Sommernacht.

Etmal Tag 4: 125 Seemeilen
Etmal Tag 3: 127 Seemeilen

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