Wir leben uns ein

Nun haben wir die ersten Reisetage hinter uns. Es gibt immer noch unglaublich viel zu tun, und darum kommt der erste Reisebericht auch erst jetzt. Die Tage auf See haben viele Facetten, und das wichtigste ist, dass noch keine(r) ausgestiegen ist, obwohl sich beide Kinder am ersten Wellentag nach Hause gewünscht haben.

Zunächst berichten wir jedoch über unser Beiboot. Ein Beiboot braucht man, um vom Ankerplatz an den Strand oder zum Steg des Supermarktes zu kommen. Irgendwie hatte unser Beiboot letztes Jahr schleichend den unschönen Namen “GUMMISAU” bekommen. Das kam wohl daher, weil es wie die meisten Beiboote aus Gummi ist, und weil der 4PS Ausserborder Spass macht. Trotzdem ist “GUMMISAU” kein Name, mit dem man bei anderen Boatkids auftrumpfen kann. So musste vor Abfahrt in Makkum also unbedingt noch ein passenderer Name her. Namen für Beiboote sind nicht unüblich. Sie heissen gelegentlich LIZZY, BART, oder JAMES, und wenn Kinder dabei sind schon mal NEMO. Unsere Namensauswahl habe ich schon wieder vergessen, aber jedenfalls wurde das Beiboot nach einigem Hin-und-Her auf den klingenden Namen DORIE getauft.

Dorie ist die Fisch-Filmfreundin von Nemo. Im Film ist Dorie ein hübsches blaugelbes Fischmädchen, anfänglich sehr vergesslich, zuweilen etwas unentschlossen und schwer auffindbar. Unsere alte GUMMISAU war bislang stets zuverlässig, und wir hoffen, dass sie ihren vorzüglichen Charakter auch als DORIE wahrt.

Sodann wollten auch die Lehrerin und der Lehrer an Bord einen eigenen Künstlernamen haben. Wir haben nach lustigen Lehrernamen gegoogelt, und Namen wie Herr Tollkühn und Frau Bitter gefunden. Die Abstimmungsunterlagen waren schnell gemacht, und schliesslich ergab eine demokratische Wahl, dass unsere Lehrerschaft Herr und Frau Anders heissen. Schon in der ersten Schulstunde hatten unsere Schüler raus, dass die Schule von Herr und Frau Anders nicht gleich ist wie die Schule zu Hause.

Mittlerweile kommen wir ganz gut voran. Das konnten wir heute besonders gut erkennen, als wir die Kartensätze von Holland und von Belgien wegpackten. Wir sind nun im Südwesten von Belgien, und brauchen diese Seekarten nun nicht mehr. Die zeitlich günstig liegenden Gezeitenströme und das halbwegs passende Wetter erlaubte uns, einigermassen im Zeitplan zu bleiben. Der Zeitplan sieht vor, dass wir bis Ende Juli die 640 Seemeilen (1200km) bis Falmouth im Südwesten von UK erreicht haben. Wir wollen bis Ende Juli da sein, weil dann die meteorologischen Bedingungen für die Überquerung der Biskaya zumindest statistisch gesehen am besten sind.

So wollen wir nun vor allem Meilen machen, und ob wir diese segelnd oder motorend zurücklegen ist uns ziemlich egal. Deshalb fahren wir zzt immer den direkten Kurs unter Maschine. Die Segel rollen wir zusätzlich aus, wenn die Windrichtung und die Windstärke es erlauben. Man nennt dies Motorsegeln.

Von den windigen Tagen war einer unangenehmer als der andere, weil die Winde die Wellen aufbauen. Wenn dann noch der Gezeitenstrom gegen den Wind geht, entsteht eine kurze steile Welle. Die Wellen kommen häufig aus derselben Richtung wie der Wind. Und wenn man genau gegen den Wind fährt, so wie es für diese Jahreszeit und unsere Reiseroute üblich ist, dann schiebt der Motor uns über die Wellen drüber und der Bug stampft hoch und nieder. Die Wellen sind schliesslich auch der Auslöser für die Seekrankheit. Die gute Nachricht ist, dass sich meine Crew mittlerweile schon ganz passabel an diese unangenehmen Bedingungen gewöhnt hat. Gestern hat niemand mehr davon gesprochen, dass er oder sie lieber aussteigen möchte.

Alle haben sich an unseren Schiffsalltag gewöhnt. Die Kinder dürfen an den Reisetagen abwechslungsweise den Essens-Chef machen. Der Essens-Chef bestimmt, wann was in welcher Menge auf den Tisch kommt, und bereitet die Sandwiches, Suppen, Gemüse oder Früchte und Süsses zu. Ein grosses Geköch kann man unterwegs nicht machen. Für einen langen Tag kocht man vor.

Unsere Routenplanung sieht vor, dass wir kommende Nacht vier Stunden gegen den Strom nach Frankreich fahren, um dann ideale Strömungsbedingung für die Querung und Durchfahrt der Strasse von Dover vorzufinden.

Wer unsere Position verfolgen möchte, kann hier unsere Übernachtungsorte und einen Kurzkommentar zum Tagesgeschehen einsehen: https://yuana.life/about/

In Landnähe empfangen Funker die Signale unseres AIS-Transponders. Die Echtzeit-Position ist dann hier ersichtlich: https://www.marinetraffic.com/de/ais/home/shipid:3994976

Manchmal is diese Seite besser:

https://www.vesselfinder.com/vessels/YUANA-IMO-0-MMSI-269108440

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